Neue Schuhe braucht die Frau

Indien, ein Land voller Überraschungen?

Ich bin jetzt seit 11 Tagen in Indien. Bisher gab es keine besonderen Vorkommnisse. Mal abgesehen von dem lauten Verkehr und ein paar seltsamen Angewohnheiten der Inder, nichts Außergewöhnliches. Bis gestern. Was gestern geschah, führte dazu, dass ich heute nach dem Frühstück durch mehrere Läden zog um neue Schuhe zu kaufen.

Kleine Entscheidungen

Lounge_Guesthouse_Indien

Die Lounge unserem Guesthouses am nächsten Tag.

Irgendwie hatten wir es geschafft, schon wieder den Sonnenuntergang zu verpassen. Das machen wir regelmäßig. Vielleicht sollten wir uns eine Erinnerung ins Handy speichern. Wie auch immer. Kurz nach Sonnenuntergang wollten wir also los, um zu Abend zu essen. In der Lounge unseres Guesthouses wurden wir jedoch von der Betreiberin Vanessa aufgehalten, die uns ein Curry mit Chapati (Brot) und Paneer (indischer Käse) anbot. Also gingen wir doch nicht in das vegetarische Restaurant, sondern blieben quasi „zuhause“. Eine kleine Entscheidung, mit großen Folgen.

Molly Mccabe

Während wir noch auf unser Essen warteten, setzte sich eine junge Frau mit Gitarre zu uns. Sie kommt aus Amerika und ist unglaublich sympathisch. Sie erzählte, dass sie früher nie gut in der Schule war, da sie es schwachsinnig fand, etwas zu lernen, das sie später nicht brauchen würde. Ich musste dabei ein wenig an den guten Ben Paul von Anti-Uni denken, der auf seinem Blog unter anderem davon schreibt, dass du keine Uni brauchst um erfolgreich zu sein. Molly ist Vollblutmusikerin und hat schon mit 11 Jahren angefangen eigene Songs zu schreiben. Gestern Abend hat sie eine Stunde lang für uns (und einige andere Gäste) Gitarre gespielt und gesungen. (Ich schrieb, dass ich neue Schuhe kaufen musste, warte ab. Da komme ich gleich noch zu. Eins führt zum anderen.)

Unter die Haut

Indien_Musik_genießen

Völlig entspannt der Musik von Molly lauschen.

Die Musik ging mir richtig unter die Haut. Immer wieder hatte ich Gänsehaut oder sogar Tränen in den Augen. So etwas passiert mir nur selten. Ich höre sehr wenig Musik. Das war schon immer so. Wieso, weiß ich nicht, denn Musik ist etwas so Wunderbares, wie ich gestern erleben durfte. Molly hat ihre eigenen Songs gesungen, die davon handeln, die Welt ein Stück besser zu machen, sich selbst zu finden, im Jetzt zu leben, Menschen, Tiere und Natur zu respektieren und das Leben zu genießen.

Interessante Gespräche

Doch nicht nur Molly, auch die anderen Gäste waren super interessante Persönlichkeiten. Matze aus Deutschland, der sich in Indien ein Motorrad gekauft hat, obwohl er gar keinen Führerschein hat, Vanessa, die unsere Unterkunft betreut und jeden Gast einzeln mit einem Stück Mandarine gefüttert hat, James aus London, für den Reisen bedeutet, zu geben und zu lernen… Bei so vielen tollen Menschen um mich herum vergesse ich gerne mal die Zeit. Gegen 2 Uhr morgens wurde ich jedoch langsam müde und machte mich auf den Weg zu meinem Zimmer. Doch …

Schuhdiebe

Straßenhund_Indien

Ob er meine Schuhe geklaut hat?

Wo waren meine Schuhe? Am Morgen hatten wir uns noch gewundert, dass drei einzelne Schuhe vor der Lounge gestanden hatten und gewitzelt, dass die Party am Vorabend wohl noch etwas ausgeufert sein müsse. Jetzt erklärte man mir, dass gelegentlich Straßenhunde vorbeikommen und Schuhe klauen. Aber doch wohl nicht meine Sandalen aus Israel!? Nach ein paar Minuten Sucherei ohne Erfolg erklärte mir ein junger Mann, er habe vor 10 Minuten beobachtet, wie ein Hund ein paar Schuhe genau dort weggenommen hat, wo meine Sandalen standen.

Auf der Suche nach meinen Schuhen

Mit unseren Handy-Taschenlampen bewaffnet, liefen wir auf die Straße, wo auch schon sechs Straßenhunde auf uns warteten. Von meinen Schuhen war nichts zu sehen und da ich es nicht mag von fremden Hunden umzingelt zu sein, beschloss ich, lieber am nächsten Tag zu suchen. Noch vor dem Frühstück liefen wir ein Stück die Straße entlang bis zu einer Wiese hinter einer Mauer, wo einige der Hunde in der Nacht hingelaufen waren. Der Anblick, der sich mir dort bot, war zugleich traurig und amüsant: Überall lagen Schuhe.

Schuhfriedhof

Wir haben den Schuhfriedhof gefunden!

Du wirst es nicht glauben, aber ich habe meine Schuhe dort tatsächlich wiedergefunden! Beide Sandalen lagen direkt nebeneinander.

Wieso ich mir neue Schuhe kaufen musste

kaputte_Schuhe

Meine Schuhe :-( Welch trauriger Anblick.

Jetzt fragst du dich sicher, wieso ich mir dann neue Schuhe gekauft habe. Nun ja … im Gegensatz zu einigen anderen Exemplaren, die ich dort gefunden habe, schienen meine Schlappen ziemlich gut geschmeckt zu haben. Die Hunde haben noch genug übrig gelassen, dass ich sie als meine Schuhe identifizieren konnte, aber leider nicht genug um sie noch reparieren geschweige denn anziehen zu können. Mehrere Riemchen wurden einfach verspeist oder verschleppt. Du glaubst nicht, wie wütend und traurig ich war. Auf dem Weg zum Frühstück habe ich die ganze Zeit auf die Hunde geschimpft. Ich weiß, es ist nur ein paar Schuhe, doch ich hatte sie mir von einer früheren Arbeitskollegin aus Israel mitbringen lassen (mein ersten Paar, das ich selbst dort gekauft hatte, war zu klein geworden) und sie waren wirklich etwas Besonderes für mich. Abgesehen davon, dass die meisten Sandalen beziehungsweise Flipflops aus Plastik sind, mögen meine Füße diese auch nicht.

Schuhe kaufen

neue_Schuhe

Professionelle Beratung und toller Service.

Nach dem Frühstück ging es also los zur Shoppingtour. Ich hatte absolut keine Lust darauf, aber es war auch keine Option in Indien bei 38° noch fast drei Wochen mit Turnschuhen herumzulaufen. Allein schon, weil du hier an vielen Orten deine Schuhe vorm Betreten ausziehen musst – etwas unpraktisch mit Schnürschuhen. Schon im zweiten Laden fand ich die Art von Sandale, die ich suchte. Der Verkäufer war super freundlich und schien sich zudem sehr gut mit seinem Handwerk auszukennen. Ich probierte einige der günstigeren Paare an. Sie gefielen mir alle sehr gut, aber meine Füße sind kleine Zicken, wenn es um harte Kanten geht. Also zeigte mir der Verkäufer noch einige der anderen, teureren, Schuhe. Ein himmelweiter Unterschied. Wie Pantoffeln. Verdammt. Nach wenigen Minuten hatte ich mein Traumpaar gefunden. 950 Rupis (ca. 12,50€) sollten sie kosten. Ein stolzer Preis, vor allem für indische Verhältnisse. Allerdings war die Qualität wirklich gut, ich konnte sie zu allem anziehen und sie passten perfekt.

Handeln in Indien

Ich sprach ihn also auf den Preis an und machte ihm klar, dass mir das eigentlich zu viel Geld für ein paar Schuhe ist. Er fragte, wie viel ich bezahlen wolle. Wahrheitsgemäß antwortete ich, dass mein Plan heute Morgen war, neue Schuhe für maximal 450 Rupis zu bekommen. Da mir klar war, dass ich diesen Preis nicht bekommen würde, sagte ich ihm, dass mir aber durchaus bewusst wäre, dass seine Schuhe guter Qualität seien und natürlich ihren Preis hätten. Ich fragte ihn, welchen Preis er mir machen könnte. (Das mögen die meisten Verkäufer nicht.) Nach kurzem Rumdrucksen sagte er „800 Rupis“. Ich diskutierte kurz mit meinem Freund, der den Preis ok fand, und fragte, ob ich sie für 750 Rupis bekommen würde, da dies der Startpreis der günstigeren Schuhe war, die ich ja nur nicht kaufen konnte, weil meine Füße so doof sind… Er ließ sich darauf ein. Ich glaube, dass er damit ein gutes Geschäft gemacht hat, aber ich bin auch zufrieden, da ich ihn um 200 Rupis runterhandeln konnte. Dafür können wir hier in Indien zu zweit sehr lecker essen gehen. (Mehr zum Handeln in Asien findest du auch im Beitrag Kuta auf Bali – Eine Stadt für Touristen. Dort schreibe ich über meine Verhandlungen für einen Roller für drei Wochen.)

Fazit

Diese kleine Entscheidung, nicht in ein Restaurant zu gehen, sondern im Guesthouse zu bleiben, hat dazu geführt, dass ich unglaublich berührende Musik gehört und tolle Menschen kennengelernt habe. Ich hatte einen wundervollen Abend, an den ich mich wohl noch lange zurückerinnern werde – auch wegen des Verlusts meiner Schuhe. Natürlich habe ich mich geärgert, dass meine schönen Israel-Latschen den Hunden zum Opfer gefallen sind. Und ja, es hat mich auch geärgert, dass ich deshalb neue Schuhe kaufen musste, Geld ausgegeben und Ressourcen „verschwendet“ habe. Aber ich hatte auch eine tolle Erfahrung in diesem Schuhladen. Ausgezeichneter Service und wirklich gute neue Schuhe. Dass ein Hund meine Schuhe klauen konnte, während ich nur wenige Meter entfernt saß, zeigt mir auch, dass mir meine Umgebung gestern total egal war und ich voll in die Gespräche und die Situation vertieft war. Leben im Jetzt. Das predigen doch immer alle 😉

Was war dein letzter Kauf, der einfach sein musste?

6 Comments

  1. Hallo Silke.

    Also die neuen Schuhe hätte ich auch genommen, wirklich sehr schön.

    Mein letzter kauf war ein Badeanzug und Badelatschen exklusiv fürs Schwimmbad.
    Ich hab in den letzten 2 Jahren 25 Kilo verloren und das alte Teil war nicht mehr Sport tauglich mit 3 Nummern zu groß.
    Wird aber jetzt noch dekorativ bein Sonnen baden genutz.

    Demnächst stehen weiße Shirts an, die alten sind dann aufgetragen (nach 10 Jahren darf aber auch das mal sein.)

    Liebe Grüße Andrea

    • Silke

      19. Juni 2016 at 13:49

      Hallo Andrea,
      WOW! Glückwunsch zu den verlorenen Pfunden!
      Da kannst du echt verdammt stolz auf dich sein und die Badekleidung hast du wohl mehr als verdient!(Die Shirts nach 10 Jahren natürlich auch.)
      Es geht ja beim Minimalismus auch nicht darum, dass du irgendwann nichts mehr zum Anziehen hast 😉
      Zudem finde ich es unglaublich wichtig, dass man sich auch mal etwas gönnt. Das muss nicht unbedingt materiell sein, aber darf es auch ruhig zwischendurch, finde ich.
      Danke für deinen Kommentar und genieße weiterhin dein Leben!
      Lieben Gruß, Silke

  2. … Diese elendige Handytastatur ist einfach zu klein zum Tippen 😀

  3. Hallo Silke!
    Oh nein, die schönen Schuhe! In Tatifa hadt du sie uns noch so stolz geteigt :-(
    Ich liebe ja dolche Geschichten, wo eins zum anderen führt. Ich habe z.B. meinen damaligen Freund kennen gelernt, weil mein Professor einen zusätzlichen Termin festgelegt hat und dann in Island der Vulkan ausgebrochen ist. 😉
    Mein letzter Kauf, der unbedingt sein musste, war übrigens eine Schwangerschaftshose und ein Stilloberteil. Seit dem war ich nur noch auf Tauschpartys unterwegs, habe aber hauptsächlich Sachen weggegeben und nur wenig Neues mitgenommen :-)
    Viel Spaß noch in Indien!

    • Silke

      6. März 2016 at 16:24

      Hallo Christin,
      ja, ich bin auch echt traurig wegen der Schuhe. Aber jetzt haben andere Schläppchen ihren Platz an meinen Füßen gefunden und werden mich immer an Indien und diesen wundervollen Abend erinnern.
      Schwangerschaftskleidung ist genehmigt. 😉 Ich finde es super, dass du auf Tauschpartys gehst. Nimmst du mich mal mit? Für die nächsten Reisen hätte ich gerne mehr Oberteile mit kurzen Ärmeln statt Tanktops. Außerdem habe ich noch ein paar Jacken, die gerne einen neuen Besitzer hätten.
      Hoffentlich bis bald!
      Silke

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