Blogreihe Nachhaltigkeit Teil 5

Interview Nachhaltigkeit in allen Lebenslagen –  mit Marius von Upcycliving

Am vergangenen Wochenende hab ich mich mit Marius getroffen. Du kennst ihn vielleicht schon aus dem kleinen Fernsehbeitrag, in dem wir zwei als Interviewpartner auftauchen. Schon in dem Beitrag wird klar, dass Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle in Marius Leben spielt. Wie nachhaltig Marius wirklich lebt, sollte ich erst während des Interviews erfahren. Bevor wir mit dem Interview begannen, hat Marius beispielsweise noch ein ausgiebiges Bad in der Isar genommen. Das macht er häufig so, um Energie und Wasser zu sparen.

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Wie kamst du auf die Idee auf Nachhaltigkeit zu achten?

Woher genau diese Idee kam, konnte Marius mir nicht sagen, aber er sieht einen Zusammenhang zum Konsum und dessen Auswirkungen auf unsere Umwelt. Marius selbst kauft daher nichts mehr. Das ist sein Beitrag dazu, die Natur zu erhalten und auf die Verschwendung von Lebensmitteln und anderen Ressourcen aufmerksam zu machen. Nicht nur für sich, sondern auch für die Zukunft.

 

Gibt es Bereiche in deinem Leben, in denen es dir schwer fällt, nachhaltig zu leben?

„Nein“, sagt Marius und schmunzelt. Er sagt, dass man etwas Luxus im Leben haben sollte und dreht sich eine Zigarette. Als Filter verwendet er einen getrockneten Grashalm, den er auf der Wiese gefunden hat. Ich habe wirklich nicht das Gefühl, dass ihm an seiner Art zu Leben etwas schwer fällt.

Interview_Nachhaltigkeit_Marius

Was war der ausschlaggebende Punkt deinen Konsum so radikal zu reduzieren und auf Nachhaltigkeit zu setzen?

Marius bezeichnet es als Zusammenspiel vieler kleiner Alltagssituationen und einiger Dokumentationen zum Thema Nachhaltigkeit. Er hat sein Leben nicht von heute auf morgen auf Nachhaltigkeit umgestellt. Ein schreckliches Erlebnis, was unter anderem zu diesem Wandel geführt hat, ist ihm aber dennoch deutlich in Erinnerung geblieben. Eine Pause auf einem französischen Rastplatz. Dort hat Marius zum ersten Mal einen Viehtransporter gesehen. Diese Begegnung und vor allem der Blick in die Angst erfüllten Augen der Tiere führte dazu, dass er ein Jahr lang streng vegan lebte. Heute macht er, zum Beispiel bei Milchprodukten, auch einmal eine Ausnahme, wenn die Lebensmittel ansonsten entsorgt werden müssten. Viel seines nachhaltigen Handelns ist nach und nach und ganz unbewusst Teil seines Lebens geworden. Der Schritt, sein Leben komplett nachhaltig zu gestalten, war somit nicht mehr so groß, sagt Marius.

 

Nachhaltige Ernährung

Das Thema Ernährung hat in Marius nachhaltigem Leben einen großen Stellenwert. Er ernährt sich nicht nur vegetarisch, sondern findet einige seiner Zutaten auch in der Natur. Auch an unserem sonnigen Interviewplatz mitten in München am Isarufer wurde Marius fündig. „Schafgarbe. Davon kann man nicht so viel essen, weil es so intensiv schmeckt“, erklärte er mir und hielt mir etwas Grünes hin, das ich als Kind „Mini-Farn“ genannt habe.

Schafgarbe_Interview_Nachhaltigkeit

Ich probiere natürlich und bin überrascht, wie viel Geschmack in dieser kleinen Pflanze steckt. Ich glaube, dass nur kaum jemand mit diesen und vielen anderen Kräutern kocht, weil du sie nicht im Supermarkt kaufen kannst. Warum auch. Sie wachsen ja überall auf unseren Wiesen. Dann erfuhr ich, dass man von Bärlauch auch die Blüten essen kann, nicht nur die Blätter, was häufig behauptet wird. Auch das habe ich ein paar Tage später auf einem Spaziergang getestet und war wieder einmal erstaunt über den guten Geschmack. Ich wollte natürlich wissen, wie und wo ich am einfachsten essbare Kräuter finde und Marius war verwundert, dass ich bei meinen Recherchen zum Thema Nachhaltigkeit noch nicht auf Mundraub.org gestoßen bin. Dort sind ganz viele Orte auf einer Karte eingezeichnet, an denen die verschiedensten Kräuter und Früchte wachsen. Und das in freier Wildbahn, für jeden zugänglich. Dort findest du auch Obstbäume und Sträucher im städtischen, öffentlichen Raum und du kannst auch selbst Orte eintragen, an denen du beispielsweise einen freistehenden Apfelbaum entdeckt hast oder unzählige Bärlauchpflanzen wachen.

 

foodsharing – Lebensmittel verwenden statt verschwenden

Die Natur gibt uns so viel und doch rennen wir jede Woche in den Supermarkt und kaufen abgepackte Massenware. Das mag auf dich und mich und viele andere Menschen zutreffen, aber nicht auf Marius. Er betritt Supermärkte nur als Foodsaver im Namen von foodsharing. Marius ist Teil des Freiwilligennetzwerkes foodsharing und koordiniert die Abholung und Verteilung von Lebensmitteln in München, die ansonsten entsorgt würden. Die Verteilung dieser Lebensmittel findet auf mehreren Wegen statt, damit möglichst nichts übrig bleibt. Auf Foodsharing.de findest du zum Beispiel Essenskörbe und du kannst auch selbst einen solchen Korb erstellen. Hierbei geht es darum, überschüssige Lebensmittel in der Nachbarschaft zu verteilen, wenn du beispielsweise in den Urlaub fährst und der Kühlschrank nicht leer geworden ist oder du viel zu viel gekocht hast. Eine weitere Möglichkeit sind die sogenannten Fair-Teiler. Das sind Orte mit Kühlschrank und Regal, zu denen du überschüssige Lebensmittel bringen kannst. Natürlich darfst du dich an den vorhandenen Lebensmitteln bedienen, auch wenn du selbst nichts mitgebracht hast, denn es geht darum, keine Lebensmittel zu verschwenden. Besonders toll finde ich auch die Idee der Schnippel-Party, von der Marius mir erzählt hat. Dort treffen sich foodsharing-Begeisterte und sonstige Lebensmittelretter um aus geretteten Lebensmitteln gemeinsam etwas Leckeres zu kochen. Für gute Stimmung sorgt neben dem Essen auch oft eine Band. Marius erzählt, dass viele Leute auf diesen Events erstaunt sind, wie lecker das Essen ist, obwohl es doch eigentlich im Müll landen sollte. Ein Effekt, der natürlich zum Nachdenken anregt. Und das soll es auch.

 

Fazit

Interview_Nachhaltigkeit_Isar

Marius ist mit Sicherheit ein großes Vorbild in Sachen Nachhaltigkeit und es war ein tolles Interview für meine Blogreihe Nachhaltigkeit. Nicht jeder möchte so weit gehen wie er, aber wir alle sollten uns eine Scheibe von ihm abschneiden. Marius fand es lustig, dass ich im Interview mit afk TV gesagt habe, dass ich nichts mehr konsumiere, außer Lebensmittel. Das war bei ihm nämlich das Erste, was er nicht mehr gekauft hat. Manchmal hat es eben auch Vorteile in einer Großstadt zu wohnen. Marius verzichtet in seinem Leben inzwischen komplett darauf etwas zu kaufen. Seine Wohnung finanziert er durch einen 450 Euro Job, bis er endlich in seine Jurte ziehen kann. Er lebt also im dauerhaften Konsumstreik. Seine Antwort auf meine Frage, wie da möglich ist: „Ich lebe von dem Überfluss der Gesellschaft.“

In welchen Bereichen deines Lebens setzt du schon auf Nachhaltigkeit?

PS: Schau doch mal auf Marius Facebookseite upcycliving vorbei!

zu Nachhaltigkeit Teil 6

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4 Comments

  1. Nun, Rauchen halte ich nicht für nachhaltig.
    Das Leben vom Ausschuss ist wirklich nur in einer Großstadt möglich. Allerdings bin ich auch ein Anhänger von „Eigenproduktion“, z.B. Tomatentopf auf dem Balkon, auch wenn das niemals für den gesamten eigenen Bedarf reicht.
    Die Idee mit Jurten bzw. bezahlbarem kleinen Wohnraum fasziniert mich. Leider wird sich das in Großstädten nur schwer umsetzen lassen, weil dafür doch einiges an Platz nötig wird und zugleich die Vorschriften einfaches Bauen verhindern. Dabei wäre es so einfach, z.B. aus Gartenhäusern schlichte Unterkünfte zu machen. Na ja, weiter träumen….
    Nur sollte der Mann nicht nur einen 450 Euro Job machen, sondern mehr arbeiten. Irgendwann möchte er eine Familie gründen, die eine solide finanzielle Grundlage braucht, und sicherlich auch im Rentenalter sich nicht fragen müssen, ob er weiterhin ausschließlich von anderen leben muss.

    • Silke

      29. Mai 2015 at 12:39

      Rauchen ist sein einziges Laster. Und selbst da gibt Marius sich Mühe möglichst nachhaltig zu handeln. Darüber habe ich auch mit ihm gesprochen, ich wollte das Thema allerdings nicht so weit ausführen.
      Gemüse selbst anzubauen ist tolle Sache. Ich konnte auf meinem Balkon letztes Jahr neben Tomaten auch Salat, Kräuter und ein paar Kichererbsen ernten. Ich kann es wirklich jedem empfehlen das auch mal zu probieren.
      Das mit der Jurte ist wirklich ein tolles Projekt, von dem man sich nur wünschen kann, dass häufiger Genehmigungen erteilt werden. Aber du hast Recht, das wird eher schwierig. Umso schöner, dass es Menschen wie Marius gibt, die ihre Pläne durchziehen.
      Was Marius Job angeht, gehe ich davon aus, dass sich da noch etwas ändern wird, sobald er sein Studium komplett beendet hat 😉
      Danke, dass du etwas kritischer an diesen Artikel herangegangen bist :-)
      Liebe Grüße
      Silke

  2. Sehr sympathisch, dieser Marius. Wo findet man denn was über Jurtebau?

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