Minimalismus und Veganismus – ein Streitthema

Diskussionen über Veganismus und Minimalismus

Wieder einmal wurde ich durch hitzige Diskussionen innerhalb einiger Minimalismus-Gruppen dazu angeregt einen Artikel zu schreiben. Diesmal geht es um das Thema Ernährung. Genauer gesagt um vegane Ernährung. Vorab sei gesagt, dass ich selbst bis August 2015 noch Fleisch gegessen habe und seither Vegetarierin bin. Ich stehe dem Veganismus aber sehr offen gegenüber und wünschte ich hätte mehr Selbstdisziplin, um auch komplett auf tierische Produkte zu verzichten. Momentan ist das allerdings kein Problem, da ich mich bei meinen Freunden von El Camino Verde befinde, die sich vegan ernähren und zudem noch sehr gut kochen können. (Mehr zu meinem ersten Besuch hier erfährst du in meinem Artikel Absolute Idylle in Andalusien.)

 

Wieso kann nicht einfach jeder das essen, was er mag?

RechteundPflichten

Wieso auf Veganern so gerne rumgehackt wird, verstehe ich nicht. Du störst doch niemanden, wenn du etwas nicht isst. Ich hacke doch auch nicht auf Menschen herum, die keine Erbsen mögen. Prinzipiell räume ich eh jedem das Recht ein, sich so zu ernähren wie er möchte. Dennoch muss ich diese Aussage etwas einschränken, denn wir alle haben nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten. Ich sehe unsere Pflicht zum Beispiel darin, dass wir uns Gedanken zu unserer Umwelt machen und uns darum kümmern, dass unsere Natur auch noch für die Nachwelt erhalten bleibt. Durch unseren Konsum können wir dabei einiges beeinflussen. Dieser Einfluss hört aber nicht bei Materiellem wie Möbeln, Deko und Kleidung auf, sondern geht bei Lebensmitteln weiter. Schließlich benötigst du diese täglich. Und nicht nur du, sondern jeder von uns. Anders als bei Kleidung kannst du hier nicht auf Neues verzichten. Du bist im Bereich Lebensmittel (mal abgesehen vom Selbstanbau und Projekten wie Foodsharing) gezwungen zu konsumieren.

Durch den Kauf von tierischen Lebensmitteln kurbeln wir diesen Wirtschaftszweig natürlich an. Dass bei der Produktion Lebewesen zu Schaden kommen, ist schon lange kein Geheimnis mehr und darauf möchte ich auch nicht näher eingehen. Es leiden aber nicht nur die Tiere, sondern auch unsere Umwelt. Wälder werden abgeholzt, um Anbauflächen für Tierfutter oder Viehweiden entstehen zu lassen, Unmengen an Wasser werden für das Tränken der Tiere und die Säuberung der Ställe verwendet und auch die Entstehung von Treibhausgasen durch die Nutztierhaltung ist verheerend (mehr Infos, Zahlen und Fakten). Es hat also einen riesigen Einfluss auf deine Umwelt, wenn du tierische Produkte kaufst.

 

Was hat Veganismus mit Minimalismus zu tun?

Wo ist denn jetzt der Zusammenhang zwischen Minimalismus und Veganismus? Oder hat das eine nicht mit dem anderen zu tun? Diese Fragen sind nicht leicht zu beantworten. Aus Sicht der Menschen, die Fleisch essen, sind das zwei paar Schuhe, die getrennt betrachtet werden müssen. Aus Sicht vieler Veganer besteht jedoch ein Zusammenhang, schließlich wird sich bei der veganen Ernährung auf das Wesentliche beschränkt. Und geht es nicht genau darum auch im Minimalismus? Ob du als Minimalist jetzt auch gleichzeitig Veganer sein solltest, bleibt dahingestellt. Durch das Hinterfragen (im Minimalismus) des Konsums und der festgetretenen Glaubenssätze kommst du aber schon fast zwangsläufig auf das Thema Veganismus oder Vegetarismus. Wenn du hinterfragst, was in deinem Leben los ist, wirst du auch irgendwann deine Ernährungsweise hinterfragen.

 

Minimalismus und Veganismus – ein Liebespaar

Minimalismus_und_Veganismus_Liebespaar

Nicht jeder Minimalist ist Veganer und auch nicht jeder Veganer ist Minimalist. Es handelt sich hier um Lebensstile. Um Einstellungen. Um stillen oder lauten Protest. Um den Wunsch nach Veränderung. Das haben der Minimalist und der Veganer gemeinsam. Sie nehmen nicht einfach alles so hin, wie es ist. Trotzdem kann ein Minimalist einen Kühlschrank voller Tierprodukte haben und ein Veganer eine vollgestellte Wohnung. Aber manchmal treffen eben beide Lebensstile aufeinander und dann stellst du plötzlich fest, dass das total gut zusammenpasst. Bei veganer Ernährung wird meist viel Wert auf Qualität gelegt und darauf, nichts zu verschwenden. Es darf einfach in der Zubereitung sein und Nachhaltigkeit spielt auch häufig eine Rolle. Da freut sich das Minimalistenherz doch, oder?

 

Wieso reagieren viele Minimalisten so genervt auf das Thema Veganismus?

Ich denke, dass es mit dem Veganismus ähnlich wie mit der Nachhaltigkeit ist. Beides passt super zum Minimalismus, vor allem, wenn der Minimalismus später ins Leben kam. Interessierst du dich aber nicht für diese Themen und bist hauptsächlich Minimalist, weil du nicht weiter ein Konsumidiot sein möchtest, der sein Geld für unnützen Kram ausgibt (was vollkommen ok ist), dann sind dir diese Themen ein Dorn im Auge, weil sie sich mit einem Bereich des Minimalismus beschäftigen, der dich nicht interessiert. Ich selbst habe festgestellt, dass ich genervt auf etwas reagiere, wenn ich merke, dass ich selbst noch anders handle und mich irgendwie ertappt fühle, weil mein Verhalten eigentlich nicht richtig ist. Ich fühle mich dann auf den Schlips getreten und gehe manchmal sogar in die Verteidigungsposition und beginne meine Sätze mit „Aber…“.

 

Sieh den Tatsachen ins Auge

Lebensmittelkonsum_ueberdenken

Hitzige Diskussionen, die in Streitereien ausarten, Anschuldigungen und Gruppenaustritte. Das bringt doch alles nichts. Wenn du sachlich bleibst und dich wirklich auf eine Diskussion einlässt, kannst du viel für dich und dein Leben mitnehmen. Lerne von anderen statt dich sofort verteidigen zu wollen. Die Argumente ein veganes Leben zu führen sind stark. Hör sie dir an und überdenke deinen Konsum. Als Minimalist bist du es doch gewohnt deinen Konsum zu hinterfragen. Tue dies auch bei deinen Lebensmitteln. Du wirst merken, dass du mit vielen Tatsachen konfrontiert wirst. Sieh ihnen ins Auge statt einfach wegzusehen.

 

Soll ich jetzt vegan werden?

Ob du weiterhin Fleisch isst, dich vegetarisch oder vegan ernährst, bleibt natürlich dir überlassen, aber bedenke, dass du eine Verantwortung gegenüber deiner Umwelt hast. Überdenke also nicht nur deinen Konsum von Kleidung, Dekoration, Möbeln etc. sondern auch von deinen Lebensmitteln. Spare nicht an der Menge, du sollst ja nicht hungern, sondern überlege, welche Produkte deine Umwelt am wenigsten belasten. Wenn nach und nach der Konsum tierischer Produkte deutlich reduziert wird, kann der Umwelt geholfen werden zu überleben. Ich ernähre mich jetzt seit knapp zwei Wochen vegan. Ich habe weder ständig Hunger noch habe ich irgendwelche Mangelerscheinungen. Mir geht es gut und es ist ein super Gefühl zu wissen, dass ich damit sogar noch etwas Gutes tue. Außerdem lerne ich viele leckere neue Rezepte. Ich erweitere also sogar noch meinen kulinarischen Horizont. Statt Spaghetti Bolognese mal Nudeln mit Tomatensauce und Gemüse zu essen, bringt dich nicht um. Versprochen.

Siehst du einen Zusammenhang zwischen Minimalismus und Veganismus? Erzähl mir in den Kommentaren davon.

5 Comments

  1. Hi Silke, sehr interessantes Thema!
    Wie du schreibst, es ist Einstellungssache glaube ich. Ich kenne Veganer, die auch ziemlich viel andere Lebensmittel abgepackt in Mini-Mengen dafür mit viel Plastik konsumieren. Da frage ich mich auch, ob das notwendig ist. Muss aber jeder für sich selbst wissen.
    Mehr Respekt und Wertschätzung tierischen Produkten entgegenzubringen und die Menge runterzuschrauben ist etwas, womit ich sehr gut fahre. Mir hat dein Ansatz „nicht hungern, aber überlegen welche Produkte die Umwelt am wenigsten belasten“ sehr gut gefallen. Ein Mittelweg ohne ins andere Extrem zu schwappen :-)
    Sonnige Grüße, Stefanie

    • Silke

      6. Mai 2016 at 20:09

      Hallo Stefanie,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Schön, dass du dir Gedanken zu meinem Artikel gemacht hast.
      Alles wird man wohl niemals „richtig“ machen können, aber man es ja wenigstens versuchen 😉
      Bei mir sich da in letzter Zeit einiges getan. Vor allem was den Verzicht von tierischen Produkten angeht. Da spielen aber sehr viele Faktoren eine Rolle, die jetzt hier den Rahmen sprengen würden.
      Dir weiterhin viel Erfolg auf deinem Weg. Lass dich nicht unterkriegen.
      Lieben Gruß,
      Silke

  2. Viele denken noch, eine vegane Ernährung erfodere zwingend eine Supplementation mit Vitaminen. Dem ist -außer im Falle B12- absolut nicht so. Wenn jemand „nebenher“ irgendwelche Zusatzpräparate schlucken muss, dann hat er bei der Wahl seiner Lebensmittel einfach einen Fehler gemacht. In tierischer Nahrung ist nichts enthalten (außer B12, welches den Tieren ebenfalls zugefüttert wird), das in pflanzlicher Nahrung nicht auch vorhanden wäre. Dort meist sogar noch in größerer Quantität.

    Der Zusammenhang zwischen Minimalismus und Veganismus stellt sich darüber her, dass man allgemein bewusster und verantwortungsvoller mit allen Ressourcen der Natur umgeht. Und rein aus Umweltschutzgründen auf tierische Produkte zu verzichten, wäre ja auch schon mal ein Ansatz, wenn einem die Tiere ansonsten egal sind.

    • Silke

      22. April 2016 at 17:33

      Hallo Sascha,
      danke für deine Ergänzung mit dem Supplementieren und auch für die Anmerkung, dass uns doch wenigstens unsere Umwelt am Herzen liegen sollte, wenn schon nicht die Tiere.
      Ich bewundere euren Weg bei El Camino Verde sehr, werde ihn weiter verfolgen und bei jedem Besuch mehr für mich mitnehmen. Danke, dass ihr helft, den Veganismus besser zu verstehen und zeigt, wie einfach es ist, so zu leben. Und das ohne zu bekehren oder etwas aufzuzwingen. Minimalismus heißt leben und leben lassen, aber auch Verantwortung zu übernehmen.
      Lieben Gruß,
      Silke

  3. Wenn man Minimalismus ganz in sein Leben lässt, gehört natürlich auch die Ernährung und der verantwortungsvolle Umgang mit Lebensmitteln dazu – für mich jedenfalls. Bevor ich mich für das Thema Minimalismus überhaupt interessiert habe, war das Thema Ernährung schon immer wichtig und ich empfinde es als Sünde Lebensmittel zu verschwenden oder gar wegzuwerfen, solange andere Menschen auf diesem Planeten hungern. Ich lebe nicht vegan mit meiner Familie, aber wir ich kaufe kein Junk-food sondern mache alles selber… beim Fleisch, das es 1-2 Mal in der Woche gibt, weiss ich wo es herkommt und dass dieser Bauer/Metzger verantwortungsvoll damit umgeht. Dafür zahle ich entsprechend mehr. Das tue ich aber gerne, denn gute Lebensmittel dürfen Geld kosten. Ebenso der Kaffee etc.. Minimalismus in der Ernährung heisst für mich aber auch Mass halten und das Essen schätzen und einfach halten. Ich benötige nicht 10 Zutaten um eine leckere und gesunde Mahlzeit zu kochen. Wenn mehr Menschen ihren Fleischkonsum überdenken und reduzieren würden, wäre das ein enormer Erfolg und Fortschritt. Meine Mutter lebt seit vielen Jahrzehnten vegan und muss täglich Vitamipräperate und anders nehmen – das kann nicht gesund sein. Trotzdem zolle ich jedem Respekt der aus reiner Liebe zum Tier komplett auf alles Tierische verzichtet.

Schreib einen Kommentar

Your email address will not be published.

*

*

© 2017 minimalisch.de

Theme by Anders NorenUp ↑