Minimalismus unterwegs – freiwillig und unfreiwillig

Ich lebe jetzt seit über einer Woche in unserem Wohnmobil Charly und bin bereits im fünften Land unserer Reise angekommen (inklusive Deutschland). Die ersten Tage waren wirklich schön, aber wir wurden auch täglich vor neue, kleine und größere Herausforderungen gestellt. Was im Alltag zu Hause ein Klacks ist kostet im Wohnmobil im Ausland zum Teil viel Zeit und Energie. Das Leben im Wohnmobil ist noch minimalistischer als ich es mir vorgestellt habe. Stellenweise auch etwas unfreiwillig, aber ich habe mich schnell daran gewöhnt. Ich bin froh, dass alles so verlaufen ist.

 

Pleiten, Pech und Pannen

Die erste kleine Panne ist uns glücklicherweise noch in Deutschland aufgefallen. Ein Reifenventil war kaputt, so dass wir stetig Luft verloren haben. Wie gut, dass wir gerade noch bei Freunden an der Tankstelle standen. (Vielen Dank ihr Zwei!) Das Ventil wurde ausgetauscht und die Reise konnte beginnen. Wir kamen gut voran und haben Luxemburg nach einem kurzen Tankstop (Diesel 1,07€) und dem Einwurf einer Postkarte hinter uns gelassen.

Charly_Tanken_Luxemburg

 

Gegen 20:30 haben wir einen schönen, großen Parkplatz am Rande einer französischen Landstraße angesteuert und sind nach dem Abendessen müde ins Bett gefallen.

Charly_Parkplatz_Frankreich

Panne Nummer zwei ließ nur bis zum nächsten Morgen auf sich warten, als wir vor der Abfahrt den Fahrradträger kontrollierten. Dabei mussten wir feststellen, dass einer der vier Haltepunkte ausgerissen war. Also hieß es Fahrräder auseinandernehmen und im Innenraum (vor dem Badezimmer) verstauen und festzurren. Danach ging es auf die Suche nach einem Baumarkt, um geeignete Materialien für die Reparatur zu besorgen. Während das Füllmaterial für die ausgerissenen Bohrlöcher noch trocknete, merkten wir, dass unser Kühlschrank nicht viel kälter war als die Raumtemperatur. Im Gasbetrieb kühlt er quasi gar nicht und auf 12V umgeschaltet … nun ja … nach ein paar Stunden wurde es etwas kühler. Wie schon gesagt, stellenweise etwas unfreiwilliger Minimalismus. Jetzt leben wir also nicht nur ohne Fernseher, sondern auch ohne Kühlschrank. Das funktioniert besser als erwartet und es gefällt mir, dass ich dadurch noch bewusster einkaufe. Nach einer sehr erholsamen Nacht auf einem Wanderparkplatz bei Volvic konnten wir den Fahrradträger komplett reparieren und uns stand endlich wieder der komplette Wohnraum inklusive Badezimmer zur Verfügung. Du glaubst nicht, wie dankbar ich für diesen einen Quadratmeter mehr war. Leider hatten wir aber offenbar unsere Toilette damit beleidigt, dass wir sie in den letzten Tagen fast nicht benutzt hatten. Sie ließ sich nicht mehr ganz öffnen und schließen. Mit ein wenig handwerklichem Geschick und etwas Silikonspray ließ sich die Toilette aber milde stimmen. Nur wenige Kilometer vom Pass nach Andorra entfernt konnten wir uns mit (fast) voll funktionsfähigem Womo auf einen Stellplatz stellen. Der erste Platz, für den wir etwas bezahlt haben. Der Stellplatz war ziemlich überfüllt, da wenige Tage später die Tour de France durch den Ort geradelt kommen sollte, aber wir haben noch einen schönen Platz direkt an einer Hecke gefunden.

 

Der Pass von Andorra

In Andorra lief dann eigentlich alles rund. Bis auf eine kleine Hitzepause für Charly, kurz oberhalb der Landesgrenze, hat er gut durchgehalten und ist tapfer alle Kurven, Steigungen und Gefälle mit uns gefahren.

Charly_Hitzepause_Andorra

Einige Kilometer weiter hatte der Kleine dann Durst auf einen ordentlichen Schluck Kühlwasser, den wir ihm natürlich nicht verwehren konnten. Immerhin waren es etwa 40°C und die Strecke war ziemlich anspruchsvoll.

Pass_Andorra

Ich würde diese Strecke jederzeit wieder fahren. Solltest du einmal in der Nähe sein, empfehle ich dir wirklich, diesen Pass zu fahren. Die Aussicht ist einfach unbezahlbar. Allein für diese Strecke hat sich die Tour schon gelohnt. Andorra selbst haben wir dennoch nur durchfahren, da es einfach zu heiß und die Straßen zu schmal für unseren Charly waren.

 

Endlich! Spanien!

Endlich in Spanien angekommen, mussten wir erst einmal ein Elektronikfachgeschäft aufsuchen, um uns eine SIM-Karte zu besorgen. Ohne Internet kann ich dir schließlich schlecht berichten, wie es uns auf unserer Reise ergeht. Jeden Tag zu einer Burgerkette zu fahren, um im Wifi schnell das Nötigste zu erledigen, macht nämlich auf Dauer keinen Spaß. Etwa eine Stunde später konnten wir den Laden und auch die viel zu große Stadt Lleida mit samt einer aktivierten SIM-Karte verlassen. Beim späteren Versuch uns ins Internet einzuwählen mussten wir jedoch feststellen, dass es nicht funktionierte. Zwei Burgerrestaurants und ein paar Nerven später wussten wir dann wo das Problem liegt und hatten prinzipiell endlich Internet. Zumindest, wenn wir das richtige Netz hatten. Man kann eben nicht alles haben. So bliebt also auch unser Internet erst einmal minimalistisch. Alles nicht so einfach, aber es hat sicher nicht geschadet sich auf die wesentlichen Dinge im Internet beschränken zu müssen.

Minimalisch_San_Sebastian

Nach einem wundervollen Tag in San Sebastian (mit Internet!) wollten wir dann endlich etwas arbeiten. Bei dem Versuch unsere Laptops mit Strom zu versorgen stellte sich dann aber heraus, dass unser Wechselrichter den Geist aufgegeben hatte und wir somit ohne Strom dastanden. Das nächste Elektrogeschäft wurde am folgenden Morgen aufgesucht und das Gerät ausgetauscht. Mit Stromversorgung ging es dann weiter an der Nordküste entlang bis zu einer kleinen, süßen Ortschaft mit Wohnmobil-Stellplatz, aber … mal wieder ohne Internetempfang. Daher sollte es direkt am nächsten Tag weitergehen. Beim Starten des Motors klang Charly jedoch als hätte er sich an ein paar Schrauben verschluckt. Ein Blick unter das Fahrzeug verriet uns, dass Charly kurz davor war, seinen Auspuff zu verlieren. Das Rohr am Endtopf war durch. Also hieß es wieder einmal ab zum Baumarkt. Mit ein paar Schellen und einer Limo-Dose war das Problem auch schnell gelöst. Zumindest vorübergehend, bis wir eine Werkstatt gefunden haben, die unseren Auspuff schweißen kann.

 

Eins führt zum anderen

In einem Vorort von Bilbao sind dann dieses traumhafte Bilde entstanden.

Klippen_Spanien

Der einzige ausgewiesene Stellplatz und auch der Ort selbst waren jedoch eher ein Alptraum, was uns dazu veranlasste weiter bis Bilbao zu fahren. Der Stellplatz dort war jedoch geschlossen. Dafür wurden wir jedoch durch die tolle Aussicht auf die Stadt und die Pferde und Esel auf der Weide entschädigt.

Bilbao_von_oben

Es ging dann also doch noch weiter westlich bis zu einem großen Strandparkplatz in Gorliz. Hier stehen wir nun schon seit zwei Tagen und wenn uns niemand vertreibt, werden wir auch noch etwas bleiben. Bis zum Meer sind es keine zweihundert Meter und aus dem Küchenfenster kann ich abends den Sonnenuntergang beobachten.

Sonnenuntergang_Goliz

Ich fühle mich hier richtig wohl und hier gibt es alles, was du zum Leben brauchst. Von allem genug und von nichts zu viel. Minimalismus unterwegs. Es fühlt sich gut an endlich richtig angekommen zu sein, nicht jeden Tag hunderte Kilometer zu fahren, nichts reparieren zu müssen und auch konzentriert arbeiten zu können. Ich habe endlich wieder Lust Sport zu treiben und hier habe ich unzählige Möglichkeiten dazu. Oft führt eben eins zum anderen. Auch wenn ich gut und gerne auf die ganzen Pannen und die Probleme mit dem Internet hätte verzichten können, haben diese Dinge wahrscheinlich dazu geführt, dass wir an diesem wunderbaren Fleckchen Erde in Nordspanien gelandet sind. Egal was dir passiert, du weißt nie, wofür es vielleicht gut ist.

 

Hattest du auch schon einmal ein negatives Erlebnis, durch das du etwas ganz wundervolles erlebt hast? Berichte in den Kommentaren davon.

 

 

4 Comments

  1. Hallo Silke und Dirck,
    Ich beneide euch zwei, smile und ich weiss wie schöne so was ist. Meine Freundin ,mein Hündchen (Papillon) und ich hatten 2010 auch so einen ähnlichen Trip gemacht. Start in der Mitte der Schweiz bis nach Santiago di Compostela, dann nach Roses ans Mittelmeer und wieder nach Hause, und das mit einem alten VW T3 jg 84. War auch ein Erlebnis erster Klasse, trotz Pannen, wie z.B Bremsen keine Wirkung, oder Leck im Kühler usw..
    Ich wünsche Euch noch eine schöne Zeit und viel Vergnügen…
    Gruss Theo

    • Silke

      23. August 2015 at 19:13

      Hallo Theo,
      Deine Route klingt auch verdammt gut. Die Schweiz würde mich ja auch noch reizen. Wie lange wart ihr denn unterwegs?
      Pannen gehören zu einer solchen Reise natürlich dazu. So wird das Ganze dann schnell abenteuerlich 😉
      Ich hoffe, dass du noch viele solcher Reisen erleben wirst.
      Liebe Grüße,
      Silke

  2. Hallo Silke und Dirk,

    durch einen Facebook-Beitrag, in dem Euer Interview mit Camperstyle.de geteilt wurde, bin ich auf Euer Abenteuer aufmerksam geworden. Ich find das super, was Ihr da macht!

    Sollte es Euch ganz in den Süden nach Andalusien verschlagen, würde ich mich freuen, wenn Ihr auf einen Zwischenstopp mal bei uns vorbeischaut. Wir haben auch Platz für Charly vor unserem Haus :-)

    Weiterhin noch eine aufregende Reise (schön aufregend, nicht aufregen-aufregend, Pannen hattet Ihr schon genug!) und viele tolle Eindrücke!

    Viele Grüße
    Sascha

    • Silke

      19. Juli 2015 at 21:52

      Hallo Sascha!
      Wir freuen uns sehr, dass dir gefällt, was wir machen :-)
      Und wir freuen uns noch mehr über deine Einladung. Es wird noch etwas dauern, bis wird im Süden angekommen sind, aber wir werden uns sehr gerne bei dir melden.
      Ganz liebe Grüße aus Oviedo
      Silke und Dirk

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