Ist Minimalismus sinnlos?

Wenn dir alles über den Kopf wächst

Manchmal scheint es einfach nicht so laufen zu wollen, wie es sollte… oder wie du es gerne hättest. Alles und jeder scheint sich gegen dich und deine Pläne verschworen zu haben. Der Minimalismus scheint total sinnlos. Alles ist scheiße. Zum Scheitern verurteilt. Du willst dich verkriechen. Aufgeben. Den einfachen Weg gehen. Nicht den richtigen. Ein einfaches Leben zu führen scheint doch nicht so einfach zu sein. Aber was tun? Willst du wirklich aufgeben? Willst du wirklich wieder in dein altes Leben zurück? Einfach alles ausblenden, was du weißt und für was du gekämpft hast?

Gibt es ein Zurück?

Die Frage ist eigentlich nicht, ob du zurück willst, sondern ob du es noch kannst. Kannst du all das, was du bisher erlebt und erreicht hast einfach ausblenden? Kannst du wieder zurück in die Konsumwelt, einfach wieder mitmachen beim Kaufrausch und deine Wohnung zustellen mit Dingen, die du eigentlich gar nicht brauchst? Kann es dir wieder egal werden, was aus deiner Umwelt wird, wie die Zukunft aussieht? Ich glaube nicht, dass das geht. Und wenn doch, dann hast du nichts gelernt, sondern bist nur einem Trend namens Minimalismus gefolgt, statt wirklich Minimalist zu sein. Dann hast du all dein Wissen nicht verinnerlicht und hinterfragt sondern einfach nur hingenommen und blind umgesetzt. Wenn du aber wirklich deinen Konsum hinterfragt hast, nicht nur ausgemistet sondern auch nichts Neues angeschafft hast und den Gedanken tief verankert hast, dass in unserer Welt etwas von Grund auf schief läuft, dann gibt es für dich kein Zurück mehr. Du hast den schweren, aber richtigen, Weg eingeschlagen und wirst diesen Pfad erst wieder verlassen, wenn Besserung in Sicht ist.

 

Freiheit und ein einfaches Leben

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Genieße dein Leben. Du kannst die Welt nicht von jetzt auf gleich ändern.

Ich möchte frei sein. Du wahrscheinlich auch. Aber sind wir frei, wenn wir ständig damit beschäftigt sind die Welt verbessern zu wollen? Eigentlich möchte ich ein einfaches Leben führen. Mit wenig Besitz, wenig Schnickschnack, wenig Ablenkungen, wenig Zwängen und Vorschriften und wenig Konsum. Genauer betrachtet ist dieses sogenannte einfache Leben inzwischen aber alles andere als einfach. Das einfache Leben ist inzwischen ziemlich schwierig. Je einfacher es sein soll, desto schwerer wird es eigentlich. Außer du lebst komplett autark irgendwo im Nirgendwo. Aber dieses Nirgendwo ist schwer zu finden. Das minimalistische Leben scheint ein sinnloser Wunsch nach Freiheit und einer besseren Welt zu sein. Versuchst du ein einfaches Leben in deiner gewohnten Umgebung zu führen, werden dir ständig Steine in den Weg gelegt. Weniger Müll zu produzieren wird zur Herausforderung, ein Leben ohne Plastik gar zur Zerreißprobe. Willst du ein einfaches, besseres Leben führen, das dir und deiner Umwelt weniger schadet, musst du dich erst in einen Kampf mit dem Wirtschaftssystem und all seinen Regeln begeben, die nur existieren, damit die Wirtschaft weiter wächst. Nicht damit es der Menschheit und der Umwelt besser geht. Nein, der Wirtschaft muss es gut gehen. Und durch deinen Konsum fütterst du sie. Hörst du damit auf, giltst du als Eigenbrötler, Verschwörungstheoretiker oder Feind des Systems. Du läufst in die falsche Richtung, bist gegen die Mehrheit und gehörst zur Vernunft gebracht.

 

Minimalismus ist nicht sinnlos

Dabei bist du auf dem richtigen Weg. Deinem eigenen Weg und dem Weg raus aus dem Konsumwahnsinn. Back to the roots sozusagen. Lass dich nicht davon unterkriegen, dass es so schwer ist, deine eigenen Werte zu verteidigen. Kämpfe weiter dafür, dass unsere Welt wieder grüner und das Leben wieder leichter wird. Wenn du aufgibst, wirst du auch nicht glücklich, also stehe dazu, dass du ein kleiner Weltverbesserer bist. Egal wie viele Menschen dir sagen, dass du alleine nichts bewirken kannst. Du bist nicht allein. Da draußen sind tausende, die genau den gleichen Weg gehen wollen, wie du. Je mehr sich trauen, desto mehr werden sich anschließen und dann wird sich etwas verändern. Minimalismus ist nicht sinnlos.

 

Zum Verzweifeln

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Zerbrich dir nicht zu sehr den Kopf.

Diese Tage, an denen du einfach aufgeben willst, an denen du den Glauben an die Menschheit verlierst und glaubst, dass es ein Kampf gegen Windmühlen ist, werden immer wieder kommen. Ich stehe auch immer wieder kopfschüttelnd im Supermarkt vor dem eingeschweißten Gemüse oder ärgere mich über die Menschen, die an der Kasse für zwei Teile eine Plastiktüte nehmen, statt sie in ihre überdimensionale Handtasche zu stecken. Auch die Menschen, die im Knäuel über dem Wühltisch hängen, um später das Kaufhaus mit Taschen voller Dinge zu verlassen, die sie in zehn Jahren nicht aufbrauchen könnten, bringen mich regelmäßig zur Verzweiflung. Aber ärgere dich nicht. Mach es besser und weise die Menschen darauf hin, wie unnötig es ist. Vielleicht fehlt ihnen genau dieser kleine Hinweis, um umzudenken. Wichtig ist aber auch, zu loben. Siehst du zum Beispiel, dass beim Bäcker nebenan wieder Papiertüten ohne Sichtfenster verwendet werden oder gibt es eine Info, dass auf Flyer oder ähnliches verzichtet wird, dann teile mit, dass du dich darüber freust und dieses Vorgehen befürwortest. Positives Feedback ist mindestens so wichtig wie negatives.

 

Wird es besser?

„Jute statt Plastik“ hieß es schon bevor ich denken konnte. Gebracht hat es nicht viel. Immerhin siehst du zwischendurch jemanden, der eine wiederverwendbare Tasche benutzt, aber die meisten Menschen sind einfach dumm und zu praktisch veranlagt. Jetzt wird zu härteren Mitteln gegriffen. Jetzt werden Verbote erteilt. Ob das etwas bringen wird? Ich bin gespannt. In meiner Heimatstadt war ich neulich in einem größeren Kaufhaus. Ich brauchte tatsächlich neue Unterwäsche. Die Wäschereien in Asien waren etwas grob gewesen. An der Kasse war ich schon darauf vorbereitet, die obligatorische Plastiktüte abzulehnen. Doch siehe da, mir wurde nicht einmal eine angeboten! Du glaubst nicht, wie sehr mich das gefreut hat. Auch beim Bäcker auf dem Markt gab es außer des Plastikhandschuhs (Hygienevorschrift) keinen Kunststoff. Das Plastik irgendwie doch nicht so toll ist, spricht sich offenbar langsam herum. Jetzt muss sich nur noch in den Köpfen verankern, dass dieser ganze Konsumwahnsinn auch nicht das Gelbe vom Ei ist. Mal sehen, wie lange das noch dauern wird… Ich träume schon von dem Tag, an dem ich nicht mehr gefragt werde ob es sonst noch etwas sein darf oder mir weitere Angebote gemacht werden, sondern ich gefragt werde, ob ich tatsächlich so viel benötige oder nicht doch die Hälfte reichen würde. Utopisch, aber träumen darf man ja.

 

Fazit

Eine Freundin sagte mir erst vor wenigen Tagen, dass das Leben einfacher sei, wenn man dumm ist. Ich glaube, dass das stimmt. Wenn du dir keine Gedanken darum machst, wie du dein Leben und die Welt verbessern könntest, lebt es sich sicher leichter. Du wüsstest einfach nicht, was du deiner Umwelt antust und würdest demnach auch nicht unter deinem Wissen leiden. Es wäre leichter, aber nicht besser. Die Probleme blieben bestehen und unsere Welt würde noch schneller Richtung Abhang rasen. Sei also stolz darauf, dass du fähig bist dein Gehirn zu verwenden. Mache mit deinem Handeln einen Unterschied und kläre die Menschen auf, statt an ihren Taten zu verzweifeln. Viele Menschen wissen es einfach nicht besser.

Was hat dich das letzte Mal so richtig zum Verzweifeln gebracht? Plastiktüten? Ignorante Menschen?

12 Comments

  1. Liebe Silke,
    vielen Dank für deine Denkanstösse. Ich lebe seit einiger Zeit achtsamer:
    Ich gehe sorgsamer mit Strom-/Wasser um, allein die Jahresabrechnung dankt es,
    bemühe mich immer mehr, sorgsam mit Lebensmitteln umzugehen,
    damit man möglichst wenig wegwerfen muss
    nehme immer Stofftaschen mit, überlege bei Kosmetik, Schuhen und Kleidung, was ich wirklich brauche,
    freue mich aber auch bewusst an den Dingen, die ich schon habe und für die ich ja auch Geld ausgegeben habe und bemühe mich, zukünftig sparsamer und achtsamer mit Geld umzugehen. Die Erfolge und das freie Gefühl, dass ich dadurch bekomme, belohnen mich dafür.
    Jeder kann etwas tun, auch wenn ich mich nicht grade als Minimalistin bezeichnen würde. Aber das ständige Kaufenmüssen und dauernder Konsumzwang haben mich zunehmend gestresst.
    Es tut mir gut zu erfahren, dass es auch andere Wege gibt.

    • Silke

      9. November 2016 at 20:57

      Es freut mich, dass ich dir noch ein paar Denkanstöße geben konnte.
      Wirklich toll, was du schon alles umsetzt. Dein Geldbeutel und unsere Umwelt werden es dir danken.
      Ich lebe inzwischen mit wirklich wenig. Ich habe sogar drei Monate lang keinen einzigen Cent ausgegeben (außer für meine Krankenversicherung und die Website). Eine neue, tolle Erfahrung für mich.
      Ich wünsche dir noch viel Freude auf deinem Weg.
      Lieben Gruß,
      Silke

  2. Liebe Silke,
    ich finde deinen Weg klasse, mach weiter so.
    Ich selbst habe mich erst vor kurzem aus dem Hamsterrad befreit und achte auch immer und immer mehr darauf nur zu kaufen was ich wirklich brauche (oder meine zu brauchen). Vom Minimalismus bin ich schon weit entfernt, aber wichtig ist Selbstverantwortung zu übernehmen und den Weg in seinem Tempo zu gehen.
    Denn auch hier bin ich der Meinung muß jeder seinen eigenen Weg finden und wer wieder lernt selbst zu denken und nicht die Medien für sich denken lässt, wird einen nachhaltigen Weg finden.
    Es freut mich, mir dir im VENIAclub zu sein,
    Wolfgang

    • Silke

      5. Juni 2016 at 14:19

      Lieber Wolfgang,
      dem ist wirklich nichts hinzuzufügen. 😀
      Ich freue mich, wenn ich dir hier trotzdem noch ein paar Denkanstöße geben kann. Kommentare sind natürlich immer sehr willkommen, da sie zum Austausch und zur Diskussion anregen.
      Selbstbestimmt und achtsam zu leben ist ein tolles Ziel.
      Lieben Gruß, Silke

  3. Hallo Silke,
    Ich finde Deine Berichte einfach nur spitze. Ich bewundere Dich für das Erreichen Deiner Ziele. Deine Einstellung teile ich voll.
    Ich habe erst vor kurzem die Bogs entdeckt zu Minimalismus + co. Davon bin ich noch Lichtjahre entfernt. Aber meine Einstellung passt haargenau. Wie noch so manche Veränderungen vorgenommen werden können, dazu habe ich nun schon viele Anregungen.
    Die Plastik Umweltverschmutzung habe ich so noch nicht betrachtet. Bisher glaube ich immer, dass die globale atomare Verseuchung die größte Bedrohung der Menschheit darstellt.
    Da ich viel älter bin als du, habe ich Tschernobyl live erlebt. Seither lässt mich das Thema nicht mehr los.
    Mein Lebensziel ist zwar ganz anders als deines, jedoch versuche ich deine Strategie als Vorlage zu nehmen.
    L.G.
    Bärbel

    • Silke

      1. Mai 2016 at 12:26

      Hallo Bärbel,
      danke für die Blumen. Es freut mich sehr, dass dir Minimalisch gefällt und du dich ein wenig von mir inspirieren lässt.
      Ich finde es gut, dass die atomare Katastrophe bei dir nicht in Vergessenheit geraten ist und du dennoch bereit bist dich auch für weitere Themen zu öffnen. Es gibt viel zu tun auf unserer Erde und da ist es gut, wenn wir nicht alleine sind, sondern an einem Strang ziehen.
      Mich würde jetzt ja schon dein Lebensziel interessieren… Verrätst du es mir? :-)
      Lieben Gruß,
      Silke

      • Hallo Silke,

        im Gegensatz zu deinen Plänen bezüglich Reisen und Urlaub, möchte ich in drei Jahren nur noch Teilzeit arbeiten. Daraufhin spare ich. Nach 40 Jahren ununterbrochenen 8 Stunden Tag habe ich das Gefühl etwas zu verpassen. Als wenn für mich der Tag ein paar Stunden weniger hätte, denke ich oft, dass ich eigentlich nur im Büro sitze.
        Ich werde deinen Blog auf jeden Fall weiter verfolgen!
        L.G.
        Bärbel

        • Silke

          11. Mai 2016 at 12:40

          Hallo Bärbel,
          das Gefühl kenne ich gut, nur dass es bei mir schon nach 1,5 Jahren im Büro kam. Selbst im Studium fühlte ich mich eingeengt. Ich war eben schon immer ein Freigeist. 😉
          Deinen Plan finde ich total super. So verdienst du weiterhin Geld für deinen Lebensunterhalt und hast trotzdem mehr Zeit für dich und die Dinge, die dir Spaß machen. Ich arbeite von unterwegs, also verbinde ich Job und Freizeit miteinander. Das ist nicht immer ideal, aber auf jeden Fall besser als den ganzen Tag im Büro zu sitzen.
          Ich wünsche dir noch ganz viel Erfolg bei deinem Vorhaben und freue dich, dass dir Minimalisch gefällt 😊
          Lieben Gruß, Silke

  4. Mittlerweile bin ich der Meinung, wenn schon denn schon. Komplettausstieg aus dem System. Viel Selbstversorgerhofe haben es vor gemacht. Die Frage ist dann nur lässt der Staat einen in Ruhe. Selbst wenn man einen Hof kauft und völlig Autark leben möchte mit einem Minimum und das was wirklich nötig ist, muss man schließlich noch Grunderwerbssteuer zahlen. Sie lassen einen letztlich doch nicht in Ruhe…

    • Silke

      26. April 2016 at 12:24

      Das stimmt natürlich, aber ich finde es lohnt sich trotzdem seinen eigenen Weg zu gehen, auch wenn irgendwann eine künstliche Grenze erreicht wird. Ein Komplettausstieg ist vielleicht nicht möglich, aber vielleicht ist das auch nicht nötig um glücklich zu sein, sein eigenen Ding zu machen und nicht mehr am Konsumwahn und der Verschwendung teilzuhaben.
      Liebe Grüße,
      Silke

  5. Liebe Silke,
    was für ein wunderbarer Text!
    Sicher wäre es wirklich leichter sich einfach mit dem Strom treiben zu lassen, aber besser für unser aller Zukunft ist es nicht. Da braucht es die die sich Gedanken machen und Hinterfragen ob es so noch weiter gehen kann.

    Liebe Grüße
    Aurelia

    • Silke

      25. April 2016 at 10:32

      Danke liebe Aurelia. Es freut mich, dass ich mit meiner Einstellung nicht alleine bin.
      Wir können etwas verändern, aber nur, wenn wir nicht aufgeben und uns nicht beirren lassen.
      Liebe Grüße,
      Silke

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