Lebensmittelverschwendung ist so überflüssig

Ich muss mich mal kurz aufregen

Die Lebensmittelverschwendung nimmt einfach kein Ende. Jeder Deutsche entsorgt jährlich 82 kg Lebensmittel (Quelle). Das sind allein in Deutschland 6,66 MILLIONEN Tonnen! Die Zahl des Teufels versteckt sich hier sicher nicht rein zufällig… Diese Zahlen machen mich mehr als wütend. Wieso gibt es Lebensmitteln gegenüber scheinbar keinerlei Wertschätzung mehr?

Wertschätzung von Lebensmitteln

Lebensmittelverschwendung_Dragonfruit

Welch ein Genuss! Meine erste Dragonfruit auf Bali.

Besonders schlimm finde ich es, wenn tierische Produkte einfach entsorgt werden. Schließlich ist dafür ein Tier gestorben oder musste zumindest ordentlich dafür ackern. In dem Punkt stimmen mir die meisten Menschen sicher noch zu. Außerdem sind Fleisch und Käse ja auch nicht gerade billig. Da schneidet man sich ja im Zweifel sogar noch selbst ins Bein. Was ist aber mit Gemüse, Obst, Getreide und Hülsenfrüchten? Wieso ist die Verschwendung dieser Lebensmittel nicht so verpönt wie die von tierischen Produkten? Klar, es stirbt niemand und es wird auch niemand dafür gequält. Aber stimmt das wirklich? Und gibt es nicht noch weitere Gründe, Lebensmittel nicht sorglos wegzuwerfen?

Lebensmittelverschwendung ist grausam. Warum?

Mir kam es erst total blödsinnig vor, diesen Absatz zu schreiben, da es mir so selbstverständlich erscheint so wenig Lebensmittel wie möglich zu verschwenden, aber bei 82 kg weggeworfenen Lebensmitteln pro Person pro Jahr sieht das offensichtlich nicht jeder so, also lasse ich dich an meinen Gedanken teilhaben. Wenn du also jemanden kennst, dem in Sachen Lebensmittelverschwendung noch die Erleuchtung fehlt, dann schicke ihm doch gerne den Link zu diesem Artikel.

Mehr als nur Lebensmittel

Für viele Lebensmittel ist ein Tier gestorben oder hat zumindest hart dafür gearbeitet. Viele Nahrungsmittel legen außerdem lange Strecken zurück bis sie in unseren Supermärkten landen. Schmeißt du die Lebensmittel einfach weg, war dieser Energieaufwand einfach für die Katz. Ebenso wie der Energieaufwand für die Zucht, Produktion, Verpackung … Ganz zu schweigen von den Wassermassen, die tagtäglich für unsere Lebensmittel gebraucht werden. Und auch wenn du deine Lebensmittel regional, fairtrade und Bio kaufst, wurden Energie, Wasser und Arbeitskraft dafür benötigt. Die Arbeitskraft spielt für mich auch eine wichtige Rolle, auch wenn sie gerne vergessen wird. Ein Mensch hat viel Zeit darauf verwendet, dass das Tier oder die Pflanze, die in deinem Einkaufswagen landet, wächst und gedeiht. Du beraubst ihn also quasi indirekt seiner Lebenszeit. Wertschätzung ist anders.

Folgen für unsere Umwelt

Wenn ich mir vorstelle wie viele Felder nicht bewirtschaftet werden müssten und wie viel weniger Regenwald abgeholzt würde, wenn wir alle nur so viele Lebensmittel kaufen würden, wie wir auch essen können, könnte ich ko… Natürlich müsste nicht nur weniger gekauft, sondern auch weniger produziert werden, aber wenn die Nachfrage stark sinkt, sinkt mit der Zeit auch das Angebot. Auch die Natur hat ihre Grenzen. Böden übersäuern wegen Monokulturen, ganze Wälder werden abgeholzt, um neue Agrar- und Weideflächen zu schaffen, Pestizide werden versprüht, damit alles schneller wächst und keinem Ungeziefer zum Opfer fällt, Menschen und Tiere werden aus ihrem Lebensraum vertrieben und die meisten Menschen kaufen trotzdem noch für den Fall der Fälle ein und tun so, als müssten sie verhungern, wenn sie vor einem Feiertag nicht noch schnell sämtliche Vorräte aufstocken, von denen schlussendlich sowieso vieles im Müll landen wird (So kannst du allgemein Müll vermeiden).

Warum wird so viel weggeworfen?

Lebensmittelverschwendung_Kühlschrank

Ein durchschnittlicher, deutscher Kühlschrank.

Das Problem der Lebensmittelverschwendung liegt meiner Meinung nach darin, dass Lebensmittel immer und überall verfügbar sind und das zu oft unverschämt niedrigen Preisen. Es wird lieber etwas zu viel gekauft, als zu wenig. Am Wochenende könnte ja Besuch kommen und es wäre doch unschön, wenn dann nicht genug für alle da ist. Auch für Feiern wird lieber etwas mehr gekocht, weil es doch peinlich wäre, wenn alles leer ist und ein Gast noch etwas Appetit hat. Natürlich ist das doof, aber die Welt geht davon nicht unter und mit knurrendem Magen muss sicher trotzdem niemand nach Hause gehen. Den meisten Menschen tut es finanziell einfach nicht weh, wenn sie Lebensmittel im Wert von wer weiß wie vielen Euro wegschmeißen müssen.

Das Problem erkennen und angehen

Das Problem ist vielleicht gar nicht, dass viele nicht wissen, wieso Lebensmittelverschwendung so schlimm ist, sondern viel mehr, dass sie es wissen, aber ihre Augen davor verschließen. Landet der Becher Joghurt im Mülleimer, weil er gestern abgelaufen ist, wird kurz traurig und demütig geguckt, weil es ja wirklich schade ist, dass man ihn wegwerfen muss, und dann geht der Mülleimer auf und mit dem Joghurt sind auch diese Gedanken verschwunden. Ein paar Wochen später, beim nächsten abgelaufenen Lebensmittel, geht das Spiel dann von vorne los. Lerneffekt? Fehlanzeige! Es ist also wichtig, dass du dir (und deinen Mitmenschen) bewusst machst, was die Lebensmittelverschwendung für eine Belastung für Umwelt und Menschen darstellt. Und nachdem dir das bewusst ist, solltest du anfangen danach zu handeln.

Lebensmittelverschwendung vermeiden

Nicht ständig Lebensmittel wegwerfen zu müssen ist eigentlich gar nicht so schwierig. Du musst dich nur von der ein oder anderen Gewohnheit verabschieden, damit das klappt. Hier ein paar Punkte, die dir helfen werden weniger wegzuschmeißen:

Beim Einkaufen:

  • Beobachte wie viel du pro Woche etwa isst und passe deine Einkäufe an.
  • Schreibe einen Einkaufszettel und kaufe wirklich nur die Dinge, die auch drauf stehen.
  • Überlege vor dem Einkauf, was du kochen möchtest.
  • Kaufe reduzierte Lebensmittel nur, wenn du auch weißt, dass du sie essen wirst.

Zuhause:

  • Friere Essensreste ein. Kleine Mengen können in den Kühlschrank und zwischendurch als „Snack“ gegessen werden (auch wenn du eigentlich mehr Lust auf etwas anderes hättest). Auch Saucenreste lassen sich super einfrieren.
  • Reste lassen sich auch super für andere Gerichte verwenden. Ein Rest Nudeln zwischen den Kartoffeln? Wieso nicht!
  • Beobachte wie viel bei welchem Gericht meist übrig bleibt und koche beim nächsten Mal weniger. Du musst nicht immer ein ganzes Paket Nudeln kochen, der Rest hält sich wunderbar im Schrank.
  • Wenn dir mal etwas nicht so schmeckt, mache dir eine geschmacksintensive Sauce dazu, die den Geschmack übertüncht. Oft tut es auch einfach Ketchup.
  • Wenn dich der Hunger überkommt und du trotz vollem Kühlschrank meinst, dass nichts für dich dabei ist, gehe kurz in dich und denke an die Menschen, die wirklich nichts haben. Sei dankbar und gib dich mit dem zufrieden, was da ist.
  • Wenn du für ein Gericht nur eine halbe Paprika oder einen halben Becher Sahne brauchst, überlege dir, was du am nächsten Tag kochen könntest, um die andere Hälfte zu verwerten.
  • Für angeschnittenes Gemüse eignet sich am nächsten Tag super eine Gemüsepfanne. Einfach etwas Reis oder Bulgur dazu, fertig.
  • Die Endstücke von Wurzelgemüse, Zwiebeln und Knoblauch kannst du einkochen und den Sud als Gemüsebrühe verwenden.
  • Räume deinen Kühlschrank und deine Vorratsschränke auf. Meistens weißt du gar nicht, was sich dort noch leckeres versteckt und dann kaufst du es erneut und es wird schlecht.
  • Koche ohne Rezept. So lernst du schnell aus den vorhandenen Zutaten etwas Leckeres zu zaubern oder kannst Gerichte einfach etwas abändern.

Das waren jetzt nur ein paar Beispiele, die dir helfen sollen weniger Lebensmittel zu verschwenden. Dir fallen sicher noch mehr Punkte ein, oder?

Wie vermeidest du Lebensmittelverschwendung?

Mehr zum Thema Nachhaltigkeit findest du übrigens in meiner Blogreihe.

12 Comments

  1. Wirklich erschreckende Zahlen! Ich selbst versuche immer möglichst keine oder minimal Lebensmittel zu entsorgen. Ist ja auch eigentlich nicht so schwer, gerade mit den Tipps, die du beschrieben hast.
    Und wie du schon schreibst, gerade bei tierischen Produkten sollte man da sehr bedacht handeln. Ich denke auch, dass es ein wichtiger Punkt ist, hier immer wieder für Bewusstsein zu sorgen. Daher sind solche Beiträge wie dieser hier sehr wichtig und klasse!

    • Silke

      25. April 2017 at 15:46

      Hallo Pascal,
      danke für deinen Kommentar.
      Es freut mich, dass dieser Artikel auf so viel Zuspruch trifft. Das zeigt mir, dass ein Umdenken stattfindet und nicht mehr einfach weggeschaut wird.
      Keine oder kaum Lebensmittel wegzuschmeißen bringt uns allen etwas. Sogar das Sparschwein freut sich 😉
      Lieben Gruß,
      Silke

  2. Was mich wirklich sehr sehr stört ist, dass es einem in normalen Supermärkten fast unmöglich gemacht wird, angemessene Mengen zu kaufen, da vieles dort nur noch gebündelt verkauft wird. Wenn ich eine Zitrone benötige, muss ich fünf kaufen, da diese nicht einzeln sondern nur im Netz angeboten werden. Das gleiche bei Knoblauch und selbst Lauch wird neuerdings im Zweierpack verkauft. Was soll denn sowas?? Wenn ich für zwei Personen koche, dauert es ewig bis man mal 4 ganze Knollen Knoblauch verbraucht hat. So ist schon vorprogrammiert dass ein Teil davon vergammelt. Die Verschwendung wird durch die Profitgier des Lebensmitteleinzelhandels nochmal schön gefördert.

    • Silke

      4. Oktober 2016 at 15:28

      Hallo Lea,
      ich stimme dir zu, dass es in normalen Supermärkten schwierig geworden ist, nur kleine Mengen zu kaufen. Ich habe aber zwei kleine Tipps für dich:
      1. Schau doch mal in deiner Umgebung, ob du einen kleinen Gemüseladen findest. Dort bekommst du alles einzeln, häufig in Bioqualität und oft sogar günstiger als im Supermarkt.
      2. Frag mal deine Nachbarn oder Freunde, ob es ihnen ähnlich geht. Wenn ja, dann teilt euch doch die Lebensmittel, die es nicht einzeln zu kaufen gibt.
      Das ändert zwar nichts am großen Ganzen, würde dir persönlich aber dabei helfen, weniger Lebensmittel zu verschwenden.
      Ich hoffe du kannst mit meinen Tipps etwas anfangen.
      Lieben Gruß,
      Silke

  3. Übelst guter Artikel, Silke! Muss mich da selber auch immer enorm aufregen und finde es ziemlich schade! Habe in einem Hotel gearbeitet und die Einstellung der Leute beim Buffettessen ist mir immer wieder unverständlich gewesen! So ungefähr, da habe ich jetzt dafür bezahlt, da kann ich auch 10 Teller vollmachen und nur 1,5 davon essen. Schlimm und traurig! Aber ich hoffe dennoch, dass sich immer mehr Menschen mal Gedanken machen, was für großer Blödsinn das ist! Und letztendlich muss man halt echt versuchen, seinen Konsum etc. auch nachhaltig zu halten! Toll geschrieben! Liebe Grüße!

  4. Toller und leider trauriger Artikel Silke! Ich rege mich auch schon seit Ewigkeiten über dieses verhalten auf … schier unglaublich, dass dieses Problem so unter den Teppich gekehrt wird. Gerade in industriell starken Ländern wie DE ist es wirklich widerwärtig, wie viel überproduziert. weggeworfen wird und offensichtlich keine vernünftige Lösung dafür gefunden werden möchte. LG Andi

    • Silke

      11. Juli 2016 at 10:19

      Hallo Andi,
      das Thema wird zum Glück immer häufiger angesprochen, aber eine Lösung wurde tatsächlich noch nicht gefunden.
      Deine Formulierung, dass keine vernünftige Lösung „gefunden werden möchte“, trifft den Nagel auf den Kopf.
      Es gäbe Lösungen, aber die sind dann nicht „wirtschaftlich“ oder „unbequem“.
      Schön, dass ich nicht alleine bin mit meiner Wut.
      Lieben Gruß, Silke

  5. Eine gute Liste mit Ratschlägen!

    Ich hätte auch noch ein paar Tipps:
    – Nicht perfekte Lebensmittel kaufen (z. B. das nicht mehr ganz so frische Gemüse, das vielleicht noch etwas seltsam aussieht oder Packungen, die schon ein bisschen zerqutescht sind, aber noch nicht offen). Die würde vielleicht sonst niemand kaufen und das Geschäft würde sie entsorgen.
    – Viele Geschäfte haben eine Ecke mit Lebensmitteln, die bald ablaufen oder abgelaufen sind. Wenn man etwas davon braucht, bekommt man es sogar noch billiger.
    – Foodsharing-Gruppen beitreten, um Lebensmittel, die man nicht mehr verbrauchen kann (z. B. weil man in Urlaub fährt), zu verschenken oder andere Lebensmittel zu retten.
    – Regionale Produkte bevorzugen, da sie einen kürzeren Weg zurücklegen. Ich denke, je länger der Weg ist, umso mehr geht auf der Reise kaputt oder verdirbt.

    Leider halte ich mich auch nicht immer daran. Aber da ich (langes) Einkaufen nicht mag und es meist hinauszögere, bis wirklich gar nichts mehr im Haus ist, habe ich auch oft nur wenige Vorräte und es ist nur wenig da, was verderben kann. 😀

    • Silke

      11. Juli 2016 at 10:07

      Hallo Tinka,
      vielen Dank für deine Ergänzungen.
      Nicht perfekte Lebensmittel kann man inzwischen sogar bestellen (bei Etepetete), was ein Schritt in die richtige Richtung ist.
      Die Ecke im Supermarkt mit beschädigter oder fast abgelaufener Ware mag ich auch total gerne. Dort kann dann gerettet werden, bevor Foodsharing zum Einsatz kommt 😉
      Lieben Gruß, Silke

  6. Einen Punkt finde ich auch noch ziemlich Scheiße, das nämlich schon beim Erzeuger jede Menge gute Lebensmittel auf dem Müll landen weil sie nicht der Norm entsprechen und weil angeblich der Verbraucher die nicht kaufen will.
    Da sprechen wir dann von Tonnen an Lebensmitteln! Wenn das alles verwendet werden würde könnte so einiges an Hunger auf der Welt verhindert werden und es wäre auch unnötig immer mehr Natur in Acker und Weideflächen umzubauen.

    Deine Punkte werden bei mir schon immer so umgesetzt um keine Lebensmittel zu verschwenden und wegzuschmeißen.Zusätzlich interessiert mich das MDH überhaupt nicht, ich vertraue da auf meine Sinne, riechen, schmecken, sehen ob etwas noch genießbar ist :-) und bisher ist noch keiner bei mir an Lebensmittelvergiftung erkrankt oder gestorben :-)

    Lg Aurelia

    • Silke

      11. Juli 2016 at 10:00

      Hallo Aurelia,
      das mit der Verschwendung beim Erzeuger und auch das mit dem MHD stimmt natürlich. Danke, dass du darauf aufmerksam machst.
      Es hätte leider den Rahmen des Beitrags gesprengt hier alles aufzuführen, was in Sachen Lebensmittelverschwendung falsch läuft.
      Es gibt noch viel zu tun und ich hoffe, dass ich mit diesem Artikel ein paar Menschen dazu animieren kann, weniger Lebensmittel wegzuwerfen.
      Lieben Gruß, Silke

Schreib einen Kommentar

Your email address will not be published.

*

*

© 2017 minimalisch.de

Theme by Anders NorenUp ↑