Gemüse aus Spanien – Plasticos

Im Süden Spaniens – Wo das Gemüse aus schwarzer Plastikfolie wächst

Wo kommt eigentlich all das Gemüse her, das du in deutschen Supermärkten findest? Genau. Es handelt sich häufig um Gemüse aus Spanien. Genauer gesagt kommt es meistens aus dem Süden Spaniens. Vieles vor allem aus der Region Almeria. Das bietet sich natürlich an, denn dort ist es meistens schön warm, es regnet nicht zu viel und genug Fläche ist ja auch vorhanden. Aber ich fange mal von vorne an.

Startpunkt

Die letzten Monate habe ich im tiefsten Süden Spaniens auf einer Finca nahe der Sierra de Grazalema verbracht. Die Finca liegt in einem kleinen Tal und ist umgeben von Olivenhainen und Weidefläche für Ziegen, Schafe und Kühe. Sehr idyllisch und irgendwie auch genau so, wie du dir Spanien in deiner romantischen Vorstellung wahrscheinlich so zusammenträumst. Ein kleines Paradies auf Erden also, an dem die Sonne fast immer scheint und die Welt noch in Ordnung ist (erfahre, was ich dort gemacht habe). Dieses wunderbare Fleckchen Erde habe ich vor einigen Wochen mit Mucki, unserem Camper, verlassen, um langsam die Rückreise nach Deutschland anzutreten.

Auf zur Costa del Sol

Costa_del_sol_Spanien_Gemueseanbau

Am Strand von Malaga.

Um nicht zu früh kälteren (und damit im Camper ungemütlichen) Temperaturen ausgesetzt zu sein, fiel die Entscheidung auf die Route entlang der Costa del Sol im Süden Spaniens. Die Nordroute kannten wir ja schon von unserer ersten Wohnmobiltour. Nach einem Abstecher zum El Torcal (schau mal bei Instagram, da findest du ein Bild mit ein paar tollen Felsformationen) ging es zunächst nach Malaga, mit Blick aufs Meer und Sand zwischen den Zehen, und dann weiter an der Küste entlang in Richtung Almeria. Je näher wir der Region kamen, desto klarer wurde mir, dass ich diese Route wahrscheinlich zum letzten Mal gefahren bin.

Von wegen Küste der Sonne

Unter dem wunderbaren Namen Costa del Sol, also Küste der Sonne, hatte ich mir irgendwie etwas anderes vorgestellt. In meiner Phantasie hatte ich weiße Strände, Palmen und idyllische Landschaften gesehen. All dies findest du an der Küste auch, aber das Bild wird durch riesige Hotelanlagen und schmucklose Hochhäuser deutlich getrübt. Die Costa des Sol ist inzwischen eher die Costa del Turismo. Wieso so viele Menschen ausgerechnet dort Urlaub machen wollen, bleibt mir jedoch ein absolutes Rätsel. Nun gut. Jetzt war ich aber da und weil das Wetter schön war, suchten wir einen Stellplatz für die Nacht und erkundeten die Umgebung. Die Entscheidung nicht in den Ort selber, sondern weiter ins Inland zu gehen, fiel nach einem kurzen Spaziergang auf der Strandpromenade leicht, da sich dort ein Hotel an das nächste reihte und das einzig Natürliche das Meer zu sein schien.

Ausflug in die Natur

Ziegen_Spanien_Gemueseanbau

Ziegen am Wegesrand in Torrox Costa.

Am Rande des Ortes gab es einen Fluss, an dem, laut Karte, ein Fußweg entlang führte. Da der Fluss derzeit kein Wasser führte, war die Umgebung recht staubig, aber immer noch besser als Hotelmauern. Nach ein paar Minuten kam uns dann ein Hirte mit seinen Ziegen entgegen. Endlich Natur. Dachte ich jedenfalls. Nur wenig später begann das, was mich zu diesem Artikel bewegt hat, auch wenn ich es schon Stunden vorher im Vorbeifahren überall am Straßenrand, kilometerweit gesehen hatte.

Gemüsezucht im Süden Spaniens

Gemüse aus Spanien

Schwarze Plastikfolie mit Löchern, aus denen später unser Gemüse wächst.

Manchmal muss man Dinge aus direkter Nähe sehen, um sie noch weniger glauben zu können. Selbst jetzt, wo dieses „Erlebnis“ schon ein paar Wochen zurückliegt, kann ich es noch nicht so wirklich fassen. Am Wegesrand waren, zunächst vereinzelt, dann im ganz großen Stil, Gemüsefelder angelegt. Es wucherte herrlich grün aus dem Boden hervor und fast hätte ich mich darüber sogar gefreut. Leider stellte ich bei genauerem Hinsehen fest, dass die Erde unter den Pflanzen mit schwarzer Plastikfolie bedeckt war. Und das bei jedem einzelnen Feld. Wir gingen weiter und kamen nicht nur an weiteren dieser Plastikfelder, sondern auch an Bergen von alter, schwarzer Plastikfolie, vermüllten Ecken und riesigen Gewächshäusern vorbei. So sieht das also mit dem Gemüse aus Spanien aus…

Gemüse aus Spanien

Plasticos_Gemuese_aus_Spanien

Typisches Bild beim Blick aus dem Fenster.

Diese Gewächshäuser bestehen zum größten Teil aus… rate mal. Genau! Plastikfolie! Daher werden sie auch Plasticos genannt. Richtige Gewächshäuser mit Glas- oder haltbaren Kunststoffdächern wären ja auch viel zu teuer bei dieser schier unglaublichen Anzahl. Das muss man ja auch mal von der wirtschaftlichen Seite her sehen. Dass der Umwelt somit nicht nur durch die Monokulturen und die giftigen Pestizide sondern auch noch zusätzlich durch die unachtsam in der Natur entsorgte oder vom Wind dorthin gewehte Folie geschädigt wird, kann aus finanzieller Hinsicht natürlich nicht berücksichtigt werden. Außerdem würden ja nicht so viele Menschen das Gemüse kaufen, wenn es teurer wäre. Und genau da (und natürlich bei der überwältigenden Menge an Mäulern, die gestopft werden müssen, und der Tatsache, dass in den Supermärkten immer alles zu jeder Zeit verfügbar sein muss) liegt der Knackpunkt.

Was kannst du gegen die Plasticos tun?

Wenn du gegen die Plasticos (und gleichzeitig auch gegen andere Umweltsünden) vorgehen möchtest, versuche regionales und saisonales Obst und Gemüse zu kaufen. Das bedeutet zwar nicht zwangsläufig, dass es ohne Plastikfolie gezüchtet wurde, verringert jedoch die Wahrscheinlichkeit enorm. Noch besser ist es natürlich, wenn du einen Bauern in der Nachbarschaft hast, der sein Gemüse noch traditionell anpflanzt. Das muss noch nicht einmal teurer sein. Frage doch einfach mal nach B-Ware, also Gemüse oder Obst, das krumm und schief gewachsen ist oder vielleicht ein paar braune Stellen hat. Oft bekommst du sogar einen besseren Preis als für das importierte Plastik-Gemüse im Supermarkt. Die beste Möglichkeit ist natürlich, wenn du dein Gemüse selbst anbaust. Dann weißt du was drin ist und lernst zudem noch eine Menge über das Gärtnern. Die schlechten Bedingungen gelten nämlich leider nicht nur für Gemüse aus Spanien. Schau auch mal auf Mundraub.org vorbei und schau nach, was die Natur kostenlos zu bieten hat.

Veränderung schaffen

Gemuese_aus_Spanien_regional

Gemüse schmeckt auch, wenn es keiner Norm entspricht.

Es mag ein kleiner Schritt sein, der allein genommen nicht viel bewirken mag, aber wenn diesen Schritt immer mehr Menschen gehen, dann wird sich irgendwann etwas ändern. Die Plasticos sind nicht von heute auf morgen zu diesem Flächendeckenden Problem geworden, also darfst du nicht erwarten, dass das Problem von jetzt auf gleich verschwindet. Habe Geduld und versuche auf deinem Weg möglichst viele Menschen davon zu überzeugen, das Gleiche zu tun wie du. Ich selbst bin noch weit davon entfernt immer regional einzukaufen, aber es wird langsam immer mehr. Es ist schwierig zu versuchen „alles richtig zu machen“. Das wird wahrscheinlich auch fast niemandem gelingen, aber wenn du dich immer weiter daran annäherst, tust du mehr als die meisten Menschen und kannst wahnsinnig stolz auf dich sein (so kannst du Müll vermeiden). Also los, lass uns gemeinsam etwas verändern!

Was hat dir in Bezug auf Umweltsünden zum letzten Mal so richtig die Sprache verschlagen? – Schreibe einen Kommentar!

8 Comments

  1. schwarzbauer elisabeth

    27. Juni 2017 at 16:36

    Hallo,
    habe schon mal einen Bericht darüber gelesen. In den alten Gewächshäusern wohnen die Billiglohnarbeiter. Jeder redet/schreibt von „regional einkaufen“ aber oft ist nur die „Umpackstation“ in der Nähe, d.h. die Ware wird von irgendwoher
    eingekauft und dann mit Regio Siegel verpackt. z.B. wird in Münchner Supermärkten mit regionalen Kaffee geworben nur weil die Kaffeefirma ihren Sitz in München hat.

    • Silke

      28. Juni 2017 at 15:05

      Hallo,
      ja, leider werden wir Verbraucher häufig hinters Licht geführt. Am besten ist es wirklich, sein Gemüse bei einem Bauernhof in der Region zu kaufen oder es sogar selbst anzubauen. Das Herkunftsland muss meines Wissens nach aber irgendwo angegeben werden. Da muss ich mich aber auch noch genauer informieren.
      Lieben Gruß,
      Silke

  2. Hey Silke,
    Diese Plastiklandschaften kennen wir nur zu Gut von unserem letzten Spanien Trip… Und wir müssen zugeben, dass wir von den enormen Flächen dieser Plasticos schon etwas schockiert waren!
    Wir versuchen, wenn es im Rahmen der Möglichkeit liegt, meistens lokale Produkte zu kaufen. Es gelingt uns nur nicht immer…
    Toller Artikel, mal etwas kritischer als immer nur Sonne, Meer und Strand, aber das muss eben auch mal sein :)
    LG, Patascha

    • Silke

      6. April 2017 at 11:51

      Hey ihr Lieben,
      ich würde lieber nur über Sonne, Strand und Meer schreiben, aber dann ändert sich ja nichts an der aktuellen Situation 😉
      Für mich ist Minimalismus inzwischen weitaus mehr als „nur“ auszumisten und wenig zu konsumieren. Wenn ich etwas kaufe, dann möchte ich auch wissen, wo es herkommt und wie die Herstellungsbedingungen dort sind. Ich kann nicht mehr einfach wegschauen. Schön, dass ihr euch auch schon mit dem Thema beschäftigt habt.
      Lieben Gruß,
      Silke

  3. Wie Du mir aus der Seele sprichst! Wir waren letztes Jahr in Andalusien unterwegs und haben diese Verbrechen an der Natur mit eigenen Augen gesehen. Unfassbar! Alles wird dem Profit geopfert… Die Bevölkerung in Andalusien ist recht arm größtenteils und auf diese Arbeitsplätze angewiesen.
    Es ist so schade um diese wunderbare Landschaft.
    Wir waren auch in Grazalema (Zahara gefiel uns sehr!) und haben El Torcal besucht. Sehr schön dort!
    Wir haben zum Glück eine SoLaWi in der Nähe, so dass wir unser Gemüse regional beziehen können.
    Liebe Grüße und alles Gute!

    • Silke

      6. April 2017 at 9:10

      Hallo Bianca,
      ich habe das Gefühl, dass es sich überall nur noch um den Profit dreht. Die Menschen, die Tiere und die Natur werden dabei einfach überrannt. Wie gut, dass es in Andalusien neben den Plastiks auch so schöne Regionen wie El Torcal und die Sierra de Grazalema gibt.
      Das Glück eine solidarische Landwirtschaft in der Nähe zu haben, haben leider nicht viele Menschen. Die Städte werden zu groß und wer auf dem Land bleibt, erreicht häufig nicht genügend Leute, um von den Einnahmen leben zu können. Das macht es auch so wichtig, dass wir die wenigen Läden oder Höfe unterstützen, denen es nicht nur um den Profit geht.
      Danke für deinen Kommentar.
      Lieben Gruß,
      Silke

  4. Hallo Silke,

    vielen Dank für diesen Beitrag. Auch wenn man natürlich schon weiß, dass diese tollen prallen Tomaten und Auberginen nicht von einer lokalen Omi liebevoll auf der Fensterbank gehegt werden, ist es doch nochmal was ganz anderes, das so
    direkt vor Augen geführt zu bekommen.

    Wir sind zwar schon relativ umweltbewusst unterwegs und kaufen meist tatsächlich auch regional, aber eben nur „meist“.
    Da muss man sich wirklich noch mehr zusammenreißen. Solche Infos wie diese hier helfen dabei, sich selbst immer wieder wachzurütteln.

    Liebe Grüße und weiter so!
    Nele

    • Silke

      6. April 2017 at 9:14

      Hallo Nele,
      ja, die Zeiten mit den Tomaten aus Omis Garten sind wohl schon lange vorbei. „Meist“ regional einzukaufen ist schon mehr als die meisten Menschen tun. Sich einfach nur Gedanken über das Thema zu machen, hilft der Umwelt leider nicht.
      Es freut mich, dass ich zusätzlich noch etwas wachrütteln konnte.
      Es folgen auf jeden Fall weitere Artikel, die Themen wie dieses behandeln werden.
      Lieben Gruß,
      Silke

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