Das einfache Leben ist das beste Leben!

Ich wohne jetzt seit etwa einer Woche in einem kleinen Ein-Zimmer-Häuschen. Das Badezimmer beziehungsweise der Waschraum ist ein paar Meter entfernt und ich teile ihn mit bis zu sieben weiteren Personen. Abends sitzen wir zusammen am Lagerfeuer und erzählen uns Reisegeschichten oder bringen uns gegenseitig Wörter aus den verschiedenen Sprachen bei. Hier gibt es nicht viel zu tun und doch fühle ich mich pudelwohl.

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Garten, einer der Hunde, Waschraum und eine der Bambushütten.

Routine ist etwas Wunderbares

In meinem Bürojob habe ich die Routine gehasst. Jeden Morgen zur gleichen Zeit aufzustehen und mehr oder weniger die gleichen Dingen zu tun widerstrebte mir. Ich bin gerne flexibel und möchte selbst entscheiden wie mein Tag verläuft. Hier in Thailand habe ich gemerkt, wie positiv Routine sein kann. Ich stehe jeden Morgen zwischen acht und neun Uhr auf. Ohne Wecker. Nach der Katzenwäsche wird gefrühstückt. Jeden Morgen mehr oder weniger das gleiche, obwohl ich genug Auswahl hätte um etwas mehr zu variieren. Zähne putzen, meditieren und dann ein paar Zeilen für mein Buch schreiben (wenn du mehr dazu erfahren möchtest, melde dich in der Sidebar für den Newsletter an). Mittags fahren wir entweder mit dem Rad zu dem einzigen Restaurant in der Umgebung oder ich arbeite einfach weiter an meinen Projekten. Zwischendurch wird mit den Hunden geknuddelt oder mit anderen Reisenden gequatscht. Gegen 19 Uhr gibt es Abendessen für alle, danach meist ein Lagerfeuer. So geht das jetzt, mit wenigen Ausnahmen, seit einer Woche. Langweilig? Überhaupt nicht. Ich war noch nie so entspannt und vor allem noch nie so produktiv wie in der letzten Woche.

Kontrastprogramm

Leben_in_der_Stadt

Statuen, Shops, Märkte und Tempel – tausend Ablenkungen.

Vielleicht liegt das auch dem starken Kontrast zu den vorangegangenen fünf Tagen in Chiang Mai Old City. Dort war es nämlich unmöglich eine Routine aufzubauen geschweige denn sich für längere Zeit auf etwas zu konzentrieren. Wir hatten leider nicht darauf geachtet, dass Chinese New Year bevorstand und die Stadt somit völlig überfüllt war. Wie immer hatten wir nur für die ersten zwei Nächte eine Unterkunft gebucht, um nicht länger als nötig in einer eventuell schlechten Unterkunft hausieren zu müssen. Bisher war das nie ein Problem. Bisher. Wir liefen also ziemlich lange durch Chiang Mai, bis wir ein freies Zimmer zu einem akzeptablen Preis gefunden hatten. Dort war es allerdings ziemlich laut und auch eher ungemütlich, so dass an Arbeiten kaum zu denken war. Außerdem mussten wir uns wieder auf die Suche nach einer Unterkunft machen. Wir wollten ein Apartment zur Langzeitmiete finden, um Geld zu sparen. Wir wollten die kompletten 30 Tage in Chiang Mai bleiben, also bot sich das an. Nach fünf Stunden und fürchterlichen Magenproblemen hatten wir zwar etwas gefunden, was uns zusagte, jedoch mussten wir ein paar Tage überbrücken bis das Zimmer frei wurde. In der Stadt wurde es währenddessen immer voller und die Chancen auf ein  preiswertes Zimmer in einem Guesthouse oder Hostel wurden immer geringer. Wir verlängerten unser akzeptables Zimmer um eine weitere Nacht, um mehr Zeit für die Apartment-Suche zu haben.

Apartmentsuche und Tempelbesichtigungen

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Lok Mo Li Tempel in Chiang Mai

Wir liefen also einen weiteren Tag durch Chiang Mai, besichtigten nebenbei ein paar Tempel, und stellten fest, dass wir kaum noch etwas sparen würden, wenn wir für die letzten drei Wochen ein Apartment mieten würden. Uns würde nämlich ein ganzer Monat berechnet. Die Tempelbesichtigungen hatten also etwas wirklich Gutes. Sie sorgten dafür, dass ich wieder klar denken konnte. Abgesehen davon, war es eine willkommene Abwechslung zu den vielen Zimmern, die wir uns angesehen haben. Einige der Tempel hier in Chiang Mai sind wirklich total schön und einzigartig, andere unterscheiden sich nur kaum in Aussehen und Aufbau. Zurück in unserem Zimmer suchte ich bei Airbnb nach sinnvollen Alternativen und fand gaaaaaanz weit außerhalb von all dem Trubel süße kleine Bambushütten, die zur Miete angeboten wurden. Dort sind wir dann auch gelandet.

Mitten im Nichts

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Mitten im Grünen gelegenes Restaurant – inklusive Schafweide.

Um uns herum ist wirklich gar nichts. Ein paar Nachbarn, ein nicht-touristischer Tempel, ein Nationalpark und ein Stand, an dem du Gemüse und Obst kaufen kannst. Zum nächsten Restaurant sind es gut fünf Minuten mit dem Fahrrad und der nächste Supermarkt ist sogar fünf Kilometer entfernt. Gut, dass wir Frühstück und Abendessen von unseren Gastgebern serviert bekommen.

Arbeiten in der Stadt

Chiang Mai gilt als Digitale Nomaden-Hotspot, weshalb wir uns auch entschieden hatten, hierher zu kommen. Wir wollten unsere Projekte vorantreiben, nachholen was wir in den letzten Wochen hatten schleifen lassen und uns mit Gleichgesinnten treffen. Dieser Plan ist irgendwie nicht aufgegangen. Für mich gab es dort zu viele Ablenkungen, zu viele Restaurants zwischen denen ich wählen musste und vor allem zu viele Menschen. Nicht jeder Digitale Nomade ist dafür geboren in Cafes oder Coworkingspaces zu arbeiten.

Arbeiten auf dem Land

einfaches_Leben

Unser Häuschen – statt Bambushütte, weil mein Freund so groß ist.

Seit dem ersten Tag in unserem „Häuschen“ weiß ich, dass ich Natur und möglichst wenig Ablenkungen um mich herum brauche, wenn ich produktiv sein möchte. Ich kann mich hier in mein Zimmer zurückziehen, auf der Terrasse vor unserem Häuschen sitzen oder mich zu den anderen Gästen im Gemeinschaftsbereich setzen. Und immer habe ich Natur um mich herum. Ohne geht es einfach nicht.

Einfaches Leben

Seit ich keine eigene Wohnung mehr habe, merke ich immer mehr, dass ich nicht viel brauche um glücklich zu sein. Je simpler beziehungsweiser natürlicher meine Umgebung ist, desto besser geht es mir. Ein Leben auf einer Berghütte klingt zurzeit sehr verlockend. Ich weiß nicht, für wie lange mir dieses Leben gefallen würde, aber im Wechsel mit ein paar Tagen in der Stadt wäre das sicher sehr erfüllend. Mir gefällt es, mich auf das Wesentliche zu beschränken und dabei festzustellen, was ich in Zukunft aus meinem „alltäglichen“ Leben streichen möchte. Mir wird klar, was die wirklich wichtigen Dinge für mich sind und worauf ich in nächster Zeit meinen Fokus legen möchte.

Was gefällt dir am einfachen Leben besonders gut?

2 Comments

  1. Hallo Silke,
    weiss nicht ob du das LIEST, schreibe normalerweise keine Kommentare. Aber d as Thema ist für mich hochinteressant. Ich denke darüber aber in abgewandelter Form nach, aber die Richtung ist die Gleiche. Ich halte mich zum Beispiel fürKonservativ eingestellt , seit ich mir ein 27 Jahre altes Auto gekauft habe, es besitzt wenig Elektronik, wenn de ZAHNRIEMEN reisst, ist nicht gleich der ganze Motor hinüber, und die Technik ist noch halbwegs überschaubar , mein vorheriges Fahrzeug ist der gleiche Typ , nur halt ohne Tüv, somit halte ich mir Ersatzteile vor. Ich will damit nur an einem Beispiel darstellen, dass man nicht jeden Hype mitmachen muß, denn bei einem neuen Fahrzeug , wie es fast alle meine Freunde u Bekannten kaufen, ich bin übrigens 54 J. , wird man quasi abhängig von einem Spezialisten der dann auch ausschließlich mit viel und komplexen Equipment dasFahrzeug warten kann.

    • Silke

      24. September 2017 at 14:07

      Hallo Norbert,
      klar lese ich die Kommentare 😉
      Mit Autos halte ich es ähnlich wie du, abgesehen von dem zweiten Auto als Ersatzteillager (ist aber eine gute Idee!). Wir haben schon vor ein paar Jahren beschlossen, dass wir uns nur noch Autos kaufen, die kaum Elektronik haben und somit selbst repariert werden können. Auch preislich haben wir uns darauf festgelegt, dass es nicht kosten sollte als wir in einem Monat verdienen können. Ich mache aber die gleiche Beobachtung in meinem Umfeld wie du. Fast alle kaufen sich neue Autos und ärgern sich dann, dass sie zum Leuchtmittel wechseln in die Werkstatt müssen. Ich weiß gerade nicht, ob ich mich freuen soll, dass wir etwas gemeinsam haben oder ob ich es schade finden soll 😉
      Lieben Gruß,
      Silke

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