Eine Nacht am Flughafen

Sparsamkeit, Minimalismus oder Irrsinn?

Nach einem weiteren Monat auf Bali mussten wir erneut das Land verlassen. Das kostenlose Visum ist nur 30 Tage gültig. Wir überlegten lange hin und her, verglichen Flüge und Kosten für Unterkünfte. Schließlich fiel unsere Wahl auf Chiang Mai in Thailand. Laut Nomadlist sollte es sich dort besonders gut und günstig leben lassen, wenn man von unterwegs arbeiten möchte. Wenn du weißt, wohin die Reise gehen soll, lässt es sich deutlich leichter nach Flügen suchen. Direktflüge von Bali nach Chiang Mai gab es keine. Über Skyscanner wurden mir die günstigsten Flüge über Bangkok oder Kuala Lumpur(KUL) angezeigt. Die Preise waren aber eher mittelprächtig. Also suchte ich einzeln nach Flügen. Erst von Bali nach Kuala Lumpur und dann weiter nach Chiang Mai. Warum die Wahl auf Kuala Lumpur und nicht auf Bangkok fiel, werde ich dir später erklären. Bei meiner Suche stellte ich fest: Eine Nacht am Flughafen schien unumgänglich, wenn ich sparen möchte.

Unbequeme Zeiten

Nach Kuala Lumpur gab es einen günstigen Flug mit Malindo Air. Abflug 21:40. Ankunft in KUL um 23:50. Ziemlich spät, aber ok. So hatten wir wenigstens noch ein paar mehr Stunden auf Bali. Der nächste günstige Flug nach Chiang Mai ging erst um 6:55 am nächsten Morgen. Zieht man die drei Stunde, die man vor Abflug am Flughafen sein soll ab, würde das bedeuten, dass wir vier Stunden zwischen den zwei Flügen hätten. Vier Stunden sind schnell um. Dachte ich. So denkt eben nicht jeder, daher sind Flüge zu diesen Uhrzeiten auch meist deutlich günstiger als zu humaneren Uhrzeiten. Eine Nacht am Flughafen zu verbringen ist nicht für jeden eine Option. Wenn ich dadurch aber über hundert Euro pro Person sparen kann und zusätzlich noch die Kosten für eine Übernachtung, bin ich für solche Späße durchaus zu haben.

 

Kuala Lumpur statt Bangkok

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Dekoration am Flughafen in Kuala Lumpur.

Die Entscheidung über Kuala Lumpur statt über Bangkok zu fliegen, war ziemlich leicht. Der Flug war günstiger, unsere tatsächliche Aufenthaltsdauer in Thailand ist um einen Tag länger und der ausschlaggebende Punkt: Kuala Lumpurs Flughafen ist um einiges moderner, sicherer, komfortabler … als der Flughafen Don Mueang in Bangkok, der eher heruntergekommen ist. Gut, dass wir beide Flughäfen schon vorher einmal angeflogen hatten und somit wussten, was uns erwartet. Vor allem die vielen Restaurants und der große Supermarkt waren ein Grund die Nacht am Flughafen Kuala Lumpur zu verbringen.

 

Billig Airlines – Pro und Contra

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Contra Billig Airline (Thai Lion Air) – nichts für große Menschen.

Wenn du beim Fliegen in Asien wirklich Geld sparen möchtest, solltest du auch auf das Essen an Bord des Flugzeugs verzichten. Am Flughafen in Kuala Lumpur bekommst du auch in der Nacht noch alle möglichen Leckereien zu wirklich fairen Preisen (zumindest vor dem Check in). Bei Billig Airlines kostet nämlich alles extra. Nicht nur das Essen, sondern auch die Auswahl eines Sitzplatzes und meistens musst du auch für dein Gepäck extra zahlen. Daher sparst du auch viel Geld (und Zeit), wenn du nur mit Handgepäck (hinter dem Link versteckt sich ein toller Artikel von Barbaralicious) unterwegs bist. Bei Malindo Air sind 15kg pro Person inklusive. Schwerer sollte dein Gepäck als Backpacker auch wirklich nicht sein. Elektronik wie Laptops und Kameras kannst du zusätzlich zum Handgepäck mit ins Flugzeug nehmen. Doch nicht nur wegen des „Freigepäcks“ fiel unsere Entscheidung für den Flug nach KUL auf Malindo Air, auch der deutlich größere Fußraum und das Entertainmentsystem sind Pluspunkte dieser Airline, die andere Billigflieger leider nicht bieten. Auf dem Flug nach Chiang Mai haben wir darauf verzichtet 5 Euro pro Person extra zu zahlen, nur um nebeneinander sitzen zu können. Wir hatten eh vor zu schlafen und es bestand die Hoffnung, dass neben einem von uns noch ein Platz frei sein würde. Unsere Hoffnung bestätigte sich dann auch, als wir das Flugzeug betraten. Es bildete sich eine Schlange und wir wurde gebeten in Reihe neun Platz zu nehmen, die komplett leer war. Geht doch. Unseren Snack und die 50ml Wasser, die jeder Fluggast bekommt, haben wir verschlafen. Wieso wir so müde waren, erfährst du in den nächsten Abschnitten.

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Pro Billig Airline (Malindo Air) mit Entertainment-System und USB-Ladestelle.

 

Eine Nacht am Flughafen Kuala Lumpur

Neugier, Müdigkeit und Hunger

Der Gedanke an eine Nacht am Flughafen war irgendwie abenteuerlich. Ich hatte das noch nie zuvor gemacht und war neugierig auf die neue Erfahrung. Neben der Neugier war ich aber vor allem unglaublich müde. Auf Bali war ich immer gegen 22 Uhr ins Bett gegangen und jetzt war es schon Mitternacht. Auf dem Flug nach Kuala Lumpur hatte ich mir einen Film angesehen statt zu schlafen. Avatar kann man schließlich nicht oft genug sehen. Das würde ich beim nächsten Flug vor einer Nacht am Flughafen definitiv anders machen. In KUL angekommen besorgten wir erst mal etwas Essbares. Das Abendbrot am Flughafen in Denpasar war eher mager ausgefallen und auf dem Flug gab es nur zwei Cracker. Für unser Frühstück sorgten wir auch schon mal vor.

 

Schlafplatzsuche

Dann gingen wir auf Schlafplatzsuche im Flughafen. Zu meiner Beruhigung lagen schon überall vereinzelt Reisende und schliefen. Was mich anfangs beruhigte, wurde nach einer Weile zum Problem. Wir waren bei unserer Suche zunächst etwas wählerisch gewesen und bei unserer zweiten Runde durch die Flughafenhalle waren die besten Plätze schon weg.

 

Schlafplatzwahl

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Ohne den zusammengelegten Sarong unter mir wäre es kalt geworden.

Wir fanden dann doch noch einen guten Ort und breiteten unsere Sarongs aus, um nicht auf dem nackten Boden liegen zu müssen. Rucksäcke aneinandergebunden, Ohrstöpsel rein, Nackenhörnchen aufgeblasen, Schlafbrille auf. So sollte es gehen. Nach ein paar Minuten Nickerchen wurde ich jedoch unsanft von Bohr- und Hämmer-Geräuschen geweckt. Direkt nebenan wurde ein Shop renoviert. Darauf sollte man also bei der Wahl seines Schlafplatzes im Flughafen achten. Tagsüber sind Bauarbeiten im Flughafen natürlich störend für den laufenden Betrieb. Nachts sollte ja eigentlich nichts los sein … Also doch noch einmal aufstehen und weitersuchen. Wir fanden ein ruhiges Plätzchen in der Shoppingmall, die direkt an den Flughafen angrenzt. Dort lagen schon ein paar Leute mit ihrem Gepäck, also legten wir uns dazu. Kaum hatte ich die Augen geschlossen, wurde ich von einem Wachmann geweckt, der nach und nach alle Schlafenden aufweckte und sie bat ins Flughafengebäude zu gehen. So viel zu diesem ruhigen Plätzchen. Letztendlich entschieden wir uns dann uns draußen unter einem Vordach zwischen zwei Wagen mit Gepäck zu legen. In einer Stunde konnten wir einchecken. Danach würde sich sicher ein besserer Platz zum Schlafen finden.

 

Nach dem Check in

Bis zum Gate kamen wir leider noch nicht, da der Security Check erst um 5 Uhr öffnete. Also warteten wir im Duty free-Bereich. Zusammen mit vielen anderen machten wir es uns in einem Wartebereich gemütlich. Dort habe ich dann die erste Stunde an einem Stück geschlafen. In der Hoffnung auf einen gemütlicheren Platz gingen wir um 5 Uhr zum Security Check und dann weiter zum Gate, wo gemütliche Sessel und Fußhocker auf uns warteten. Dass ich im Flugzeug die ganze Zeit geschlafen habe wird dich sicher nicht wundern.

 

Eine Nacht am Flughafen – Ja oder nein?

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Nach „müde“ kommt „doof“ 😉 Zeit vertreiben am Flughafen KUL.

Im Nachhinein betrachtet war es eigentlich ganz witzig und ich möchte die Erfahrung auch nicht missen. Es war halb so wild wie ich dachte und es gibt genug andere Reisende, die auch verrückt oder sparsam genug sind, um am Flughafen zu übernachten. Du bist also auf keinen Fall alleine. Dennoch war ich froh, dass wir in einem so schönen und sauberen Flughafen wie Kuala Lumpur genächtigt haben. Es kostet doch etwas Überwindung sich zum Schlafen auf den Fußboden zu legen. Ich hatte anfangs große Bedenken wegen unserer Laptops, aber wer um diese Zeit am Flughafen ist, hat offenbar besseres zu tun als schlafende Menschen zu beklauen. Außerdem war eigentlich immer einer von uns wach, wenn auch nicht gerade freiwillig. Den ersten Tag in Chiang Mai haben wir fast nur geschlafen. Trotzdem würde ich wieder am Flughafen übernachten, wenn ich dadurch so viel Geld sparen kann. Lass dir bei der Schlafplatzwahl jedoch nicht zu viel Zeit und sei nicht zu wählerisch. Es bringt dich definitiv nicht um und ich glaube, dass du eine Art Routine entwickeln kannst, wenn du öfter an Flughäfen schläfst.

Hast du schon mal am Flughafen übernachtet? Wie waren deine Erfahrungen?

 

 

4 Comments

  1. Hallo Silke

    Wie vereinbarst Du das Minimalismus Konzept mit der Herumfliegerei?
    Ein einziger Langstreckenflug benötigt so viele Ressourcen, dass du etwa 20 Jahre lang bei Nahrungsmitteln alles unbiologisch und mega verpackt kaufen kannst.
    So gesehen bleibt der Minimalismus der digitalen Nomaden ein Lifestyle Konzept, quasi Ersatzreligion für die Seele ohne jegliche Nachhaltigkeit.

    • Silke

      28. Februar 2017 at 19:16

      Hi!
      Da kann ich dir leider nur Recht geben. Natürlich ist Fliegen alles andere als nachhaltig. Ich mache Langstreckenflüge auch nur, wenn ich irgendwo deutlich länger bleibe, was es natürlich nicht wirklich besser macht. Ich muss aber auch sagen, dass es nicht mein Ziel ist perfekt zu sein. Ich möchte nicht darauf verzichten, andere Länder und die dortige Kultur kennenzulernen. Wenn ich in anderen Ländern bin, sehe ich mich dort um und mache mir auch ein Bild davon, wie dort Umweltschutz betrieben werden könnte, ich unterstütze Projekte vor Ort oder auch in Deutschland (wie z.B. http://www.BiruBiru.de) und mache beispielsweise an Stränden Müllsammelaktionen. Nicht perfekt, aber ich versuche etwas zurück zu geben. Mit solchen Dingen beschäftige ich mich auch noch lange nach den Reisen und versuche Lösungen oder Hilfestellungen dafür zu finden. Das Flugzeug ist bei mir fast immer die zweite Wahl bei der Reiseplanung.
      Danke für dein kritisches Hinterfragen.
      Lieben Gruß
      Silke

  2. Ich hab bestimmt schon vier oder fünf Mal im Flughafen übernachtet, in den verschiedensten Ländern, oft auch alleine 😀
    Am einfachsten ist es wenn man nur mit Handgepäck unterwegs ist, dann kann man sich einfach den Daypack unter den Kopf legen und dann braucht man sich auch keine Sorgen um den Laptop/andere Wertsachen zu machen – so dreist sind Diebe dann doch nicht. Klar, komfortabel ist anders, aber wenn man Geld sparen kann seh ich das ganz pragmatisch. Immer dabei: Schlafmaske, Ohrenstöpsel und viel Gelassenheit!

    • Silke

      15. Februar 2016 at 4:43

      Sehr cool :-)
      Ich denke auch, dass es ein wenig auf die eigene Einstellung ankommt. Gelassenheit ist auf jeden Fall hilfreich.
      Ohne Schlafmaske und Ohrstöpsel würde ich das aber auch nicht machen 😉
      Liebe Grüße aus Thailand

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