Spanien – Arbeiten gegen Kost und Logis

Seit fast vier Monaten bin ich jetzt in Andalusien und arbeite gegen Kost und Logis auf einer Finca. Ich habe hier viel gelernt und erlebt und hoffe, dass ich dich mit meinem Bericht dazu bewegen kann, auch einmal so etwas zu machen.

So findest du den richtigen Ort

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Blumenpracht auf der Finca

Den richtigen Platz zu finden, an dem du gegen Kost und Logis arbeiten kannst, ist gar nicht so einfach. Schließlich möchtest du ja nicht nur arbeiten, sondern auch das Land, die Leute und die Kultur kennenlernen. Plane auch das Wetter mit ein. Magst du es lieber sonnig und warm oder liebst du eher raue Natur? Ich hatte das Glück, meinen Host, die Gegend und auch die Finca auf der ich jetzt arbeite schon vorher persönlich kennenzulernen. Das ist natürlich der Idealfall. Eine andere gute Möglichkeit sind Plattformen wie workaway.info oder wwoof.de. Dort kannst du dich (gegen eine geringe Gebühr) anmelden und nach einem passenden Host suchen.

Darauf solltest du achten

Zunächst solltest du dir natürlich überlegen, wo es hingehen soll. So kannst du deine Suche schon einmal eingrenzen. Dann solltest du dir die Beschreibungen der verschiedenen Hosts gut durchlesen und einige Fragen klären. Wie viele Stunden sollst du dort arbeiten? Welche Art von Unterkunft wird dir zur Verfügung gestellt? Sind alle Mahlzeiten inklusive? Welche Sprachen werden gesprochen? Liegen dir die Arbeiten die erledigt werden müssen? Diese und viele andere Fragen sind wichtig, damit der Host deinen Anforderungen entspricht und du seine Anforderungen ebenso erfüllen kannst. Nur so kann es eine tolle Zeit für dich werden. Sollte es Unklarheiten geben, kläre diese, bevor du dich auf den Weg machst. Wichtig sind auch die Bewertungen der Helfer, die vor dir gegen Kost und Logis dort gearbeitet haben. Oft lässt sich daraus ableiten ob du dort nur ausgenutzt wirst oder ob es ein Geben und Nehmen ist.

Mein Host in Andalusien

Ich arbeite auf einer veganen Finca, die ihre Pforten erst Anfang 2016 geöffnet hat. Die Häuser und auch ein Garten waren zwar schon vorhanden, jedoch hatte sich in den letzten acht Jahren niemand darum gekümmert. Du kannst dir nicht vorstellen, wie es hier aussah, als ich das erste Mal hier war. Es stand noch viel Arbeit an den Gästehäusern und auch im Garten bevor. Arbeit, die sich lohnen sollte, denn die drei Hektar Land, auf denen die Finca steht, sind ein wunderschönes Fleckchen Erde, das nur etwas Pflege brauchte. Inzwischen ist es ein wahres Paradies für Naturfreunde geworden.

Arbeiten gegen Kost und Logis in Andalusien

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Walnussernte unter einem der vielen Walnussbäume.

Als ich im Juli bei strahlendem Sonnenschein hier ankam und mein Zimmer bezog, wusste ich, dass es die richtige Entscheidung war hierher zu kommen. Ich wurde nicht nur herzlich von den Hosts und den beiden Hunden begrüßt sondern konnte mich auch schon auf ein erstes Bad im Pool freuen. Besser kann ein „Arbeitstag“ wohl kaum beginnen. Da ich Natur und Pflanzen liebe, wurde der Garten mein Arbeitsbereich. Unkraut zupfen, gießen, anpflanzen, ernten, Rosen schneiden, umgraben, Chilis und Kräuter trocknen, Walnüsse sammeln … Je mehr ich mich mit dem Garten beschäftigte, desto mehr gefiel er mir. Ich stellte fest, dass es neben Feigen- und Walnussbäumen auch Apfel-, Birnen- und Granatapfelbäume gibt, lernte, wie man Rosen beschneidet und dass Weintrauben den Geschmack ändern, wenn Jasmin daneben wächst.

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Selbstangebautes Gemüse – LECKER!

Im August war die Finca ziemlich gut besucht, weshalb ich anfing, auch beim Reinigen und Herrichten der Zimmer und Gästehäuser zu helfen. Obwohl ich eigentlich ein ziemlicher Chaot und selbst wirklich nicht pingelig bin, sehen die Zimmer, wenn ich sie verlasse, aus wie geleckt. Das hätte ich vor meiner Anreise niemals für möglich gehalten. Insgesamt habe ich hier fast jeden Tag etwas Neues gelernt, wofür ich unglaublich dankbar bin.

Der Deal

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Einer der besten Plätze auf der Finca – die Hängematte über dem Fluss.

Arbeiten gegen Kost und Logis besteht nicht nur aus Arbeit. Ich arbeite hier fünf Tage die Woche fünf Stunden lang und bekomme dafür so viel Essen und Trinken, wie ich brauche und werde an den meisten Tagen abends sogar köstlich bekocht. Zudem darf ich den Pool nutzen, im Fluss baden, im Garten chillen und so viel Obst von den Bäumen pflücken, wie ich essen kann. Ein wahres Paradies für jemanden wie mich. Ich habe hier sehr viele Freiheiten, die ein normaler Arbeitsalltag nicht mit sich bringt. Das ist wahrscheinlich nicht bei jedem Host der Fall, aber ich kann mir meine fünf Stunden frei einteilen und es wird Rücksicht genommen, wenn es mir mal nicht so gut geht. Mach dir aber auch klar, dass du dich selbst krankenversichern musst und kein Geld verdienst (zumindest nicht mit der Arbeit bei deinem Host).

Mehr als nur ein Host

Die Finca ist inzwischen nicht mehr nur ein Ort, an dem ich arbeite und dafür mit Kost und Logis entlohnt werde, sondern ein kleines Zuhause. Die Betreiber der Finca und auch die anderen Helfer sind wie eine Familie auf Zeit. Wir sitzen oft zusammen und reden über Gott und die Welt, überlegen, wie man die Finca weiter verbessern kann oder springen gemeinsam in den Pool (inzwischen ist das Wasser dafür etwas kalt…). Wir arbeiten nicht nur zusammen, wir leben zusammen.

Fazit

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Mucki hat hier einen schönen Stellplatz.

Beim Arbeiten gegen Kost und Logis kannst du viel lernen, musst aber auch bereit sein, Energie in das Projekt vor Ort zu investieren. Es wird nur dann für alle Beteiligten eine gute Zeit, wenn es ein Geben und Nehmen gleichermaßen ist. Du musst dich deinem Host nicht unterwerfen, solltest ihm aber auch nicht auf der Nase herumtanzen. Unsere Zeit hier auf der Finca geht im Januar zu Ende. Ich bin gespannt, vor welche Aufgaben ich in dieser Zeit noch gestellt werde.

Und wieder ein Punkt weniger auf meiner Bucket List.

Möchtest du mehr (Detail-)Berichte aus meiner Zeit auf der Finca?